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Fanfare

Hier wird viel gelacht. Besonders, wenn wieder einer aus der Familie der D’Ysquith das Zeitliche segnet. Was acht Mal vorkommt. Ein mordsmäßiges New Yorker Musical ist „A Gentleman’s Guide To Love and Murder“ im Walter Kerr Theatre – das todsicher Spaß macht. Denn alle D’Ysquits, feinfühlig karikierte Prachtexemplare britischer Aristokratie- Inzucht, werden von dem wandlungsfähigen Jefferson Mays verkörpert.
Eigentlich hatte keiner der Broadway-Auguren den operettigen „Gentleman’s Guide“ im Visier, der nichts anderes ist als die Vorlage für den Alec-Guinness-Filmklassiker „Adel verpflichtet“ von 1949. Und ganz und gar britisch schwarzhumorig, mit einem guten Schuss viktorianischen Spleens ist jetzt auch diese famose Musical-Comedy eines unbekannten Produktionsteams.
Wir wechseln ins alte Europa, wo sich wieder ein „Ring“ schließt, diesmal am Grand Théâtre de Genève. Hier ist ein Pferd ein Pferd, ein Boot ein Boot, ein Feuer ein Feuer. Doch diese „Götterdämmerung“ haben keine vorgestrigen Theaterspießer zu verantworten, sondern mit Dieter Dorn und Jürgen Rose zwei – zugegeben: ältere, Bilanz ziehende – Superstars der Szene.
Auch Ingo Metzmacher am Pult steht keineswegs für eine konservative Dirigierhaltung, sondern für wache, Grenzen austestende Theatralik. Und gerade ihre, durchaus den von Richard Wagner aufgeschriebenen Intentionen folgende Tetralogie erweist sich nach einem „Ring“-übervollen Jubiläumsjahr als angenehmangenehm sachliche, detailfeine und spannend zurückhaltende Erzählübung wider alle Trends. Spannende Sänger sind zudem zu erleben. Vor allem die beiden szenischen Debütanten Petra Lang und John Daszak als Brünnhilde und Siegfried.
Schon sind wir in Amsterdam. „Dutch Doubles“ nannte sich da ein interessanter Premierenabend beim Het Nationale Ballet, der in vier Paarungen je zwei Niederländer aus unterschiedlichen Sparten zu den Choreografen addierte. Zwei Stücke gefielen besonders.
Da mussten nämlich erst die Modejungs Viktor & Rolf kommen, die mal runde Löcher ins Tutu gefräst, Ecken ausgeschnitten, es halbiert oder viereckig verformt haben. Diese jagte Jorma Elmo in „Shape“ zu einem klassisch angeberischen Beethoven-Mix über die Bühne, witzig und verquer. Das pendelte augenzwinkernd im Irgendwo zwischen Balanchine-on- Speed und verlangsamtem Turbo-Forsythe.
„Dances With Harp“ hingegen war ein feines, schlichtes, gelassen raffiniertes Werk des 81-jährigen Altmeisters Hans van Manen. Der hatte seine Kreativität an dem erst 25-jährigen Harfenisten Remy van Kestern entzündet. Und von dessen perlendem Saitenspiel, dem swingenden Tempo und der sanften Dynamik hat er sich in seiner Suite für drei Paare führen lassen.
Wieder mussten wir uns über Berlin ärgern. Irina Brook mag Tochter eines berühmten Vaters sein. Den sie als Regisseurin nie erreichen wird. Wie bei ihrem bieder-braven „Liebestrank“ an der Deutschen Oper zu studieren war. Es leuchteten Glühbirnchen an Garderobenwagen und über einer wackeligen Wanderbühne. Denn hier wurde – unglaublich originell – ein wenig Theater auf dem Theater gespielt. Das blieb folgenlos für das überraschungsarm sich abspulende Stück, das von Roberto Rizzi Brignoli fußlahm und öde dirigiert wurde. Stars gab es keine, und bei der heimlichen Träne, der „furtiva lagrima“ die Dimitri Pittas als amouröser Straßenkehrer seinem oft gepresst wirkenden Tenor abquetscht, war der Beifall schnell vorbei.
Die einst so wagemutige Deutsche Oper Berlin scheint unter dem Intendanten Dietmar Schwarz ihrem scheinbaren heimlichen Ziel ein Stückchen näher: Deutschlands bestalimentiertes Stadttheater zu werden.

Roland Mackes, RONDO Ausgabe 3 / 2014



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