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Katia und Marielle Labèque

Auf eigenen vier Beinen

Katia und Marielle Labèque haben sich selbstständig gemacht – und damit aus der Not der großen Firmen eine Tugend. Wie andere Künstler auch gründete das Klavierduo vor einem Jahr sein eigenes Label. Seitdem bestimmen sie selbst über ihre Veröffentlichungen – und der Erfolg gibt ihnen Recht. Mehr über ihre ungewöhnlichen Projekte verrieten sie Klaus Kalchschmid in München.

RONDO: Katia und Marielle Labèque, rein äußerlich betrachtet wirken Sie wie sehr ungleiche Schwestern. Sind Sie in Charakter und Spiel auch so unterschiedlich, wie Sie aussehen?

Katia Labèque: Oh ja, sicher! Und wir arbeiten hart an unseren Gemeinsamkeiten und an den Unterschieden. (lacht)

Marielle Labèque: Es ist wie im Orchester: Katia spielt Geige, ich bin das Cello, die tiefere Stimme, beim Sprechen und beim Spielen!

Katia Labèque: Marielle hat viel mehr positive Energie als ich …

Marielle Labèque: … aber dafür brauche ich für alles mehr Zeit, es muss Schritt für Schritt gehen. Außerdem treffe ich Entscheidungen ganz ungern. Deshalb frage ich beim Kofferpacken immer Katia, was ich nehmen soll.

Katia Labèque: Ich glaube, wir ergänzen uns sehr gut. Und ich vertraue ihr vollkommen. Bei Aufnahmen etwa hört Marielle Dinge, die ich nie hören würde. Und sie hat immer Recht.

RONDO: Sie haben beide zusammen für Ihre letzte Aufnahme den 29-jährigen Filmregisseur, Grafikdesigner und Videokünstler Tal Rosner engagiert, der die Musik von Debussy und Strawinski in rasant geschnittene, teils computergenerierte Bilder verwandelte. Haben Sie Einfluss auf seine Arbeit genommen?

Katia Labèque: Nein, überhaupt nicht. Wir kannten Sachen von ihm, fanden sie großartig und wollten mit ihm die Chance nutzen, ein neues, junges Publikum anzusprechen.

RONDO: Wie war die Resonanz?

Katia Labèque: Youngsters fanden das ganz toll, aber wir wurden auch sehr kritisiert, vor allem in England. Man fragte: »Warum hat er nicht die Labèques gefilmt?« Aber genau das wollten wir nicht, sondern dass Tal seine eigene Welt auf die der Musik treffen lässt! Es ist ein bisschen wie in »Koyanisquatsi« und »Powaqqatsi« von Godfrey Reggio mit der Musik von Philip Glass.

RONDO: Sie wollen nicht nur ein junges Publikum für Strawinski begeistern, sondern planen auch Projekte für Kinder. Was hat man sich darunter vorzustellen?

Marielle Labèque: Es sollen schön illustrierte Bücher samt CD mit einer halben Stunde Musik sein. Wir haben angefangen mit »Karneval der Tiere« und »Children’s Corner«. Musik und Texte für diese »Gute-Nacht-Geschichten« sind schon da, aber es fehlen noch die Zeichnungen …

RONDO: Haben Sie gerade für solche Projekte ein eigenes Label gegründet?

Katia Labèque: Nicht nur! Wir wollen sicherstellen, dass unsere CDs immer lieferbar sind, nicht nur die gängigen Sachen. Wir wollen selbst entscheiden, was wir wo und wie aufnehmen. Wir wollen Einfluss darauf haben, was auf dem Cover zu sehen ist und was im Booklet steht, auch wenn das gleichzeitig bedeutet, mehr Verantwortung zu tragen. Man hat uns übel genommen, dass wir die Strawinski- und Debussybriefe nur im Original abgedruckt haben. Aber es sollte die authentische Stimme der Komponisten sprechen, wie bei ihrer Musik.

RONDO: Apropos authentisch: Sie haben Bach auf Nachbauten alter Silbermann-Fortepianos gespielt. Hat das auch Ihr Mozartspiel beeinflusst?

Katia Labèque: Oh ja, auch wenn wir auf der kommenden Schubert/Mozart-CD moderne Instrumente benutzen. Phrasierung, Tongebung, Anschlag, das alles machen wir heute bei Mozart anders. Bei den Salzburger Festspielen spielten wir letztes Jahr auf zwei Anton-Graf-Flügeln vom Anfang des 19. Jahrhunderts Mozart und Musik seiner Zeitgenossen – Vanhal und Koželuch etwa. Mit diesen Instrumenten werden wir sicher auch bald CDs machen.

Neu erschienen:

Franz Schubert, Wolfgang Amadeus Mozart

Werke für Klavier zu vier Händen

Katia und Marielle Labèque

KML/harmonia mundi

Klaus Kalchschmid, RONDO Ausgabe 6 / 2007



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