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RONDO-Gespräche zum Musiksponsoring: UBS

In lichten Höhen

Der schon fast vergessene einstige britische Premierminister Harold Wilson verpasste den Schweizer Bankherren vor über 50 Jahren den wenig schmeichelhaften Beinamen »die Gnome von Zürich«. Der junge Labour-Politiker dachte dabei an jene kleinwüchsigen Märchenfiguren, die unter der Erde davon leben, Geld von einer Seite zur anderen zu schaufeln. Von Kultur war damals im Zusammenhang mit dem Geldgewerbe noch nicht die Rede. Ob dieses Bild auch heute noch zutrifft, wollte RONDO im Gespräch mit dem Belgier Patrick Siméons herausfinden, dem für Kulturförderung verantwortlichen Manager der UBS, jener Bank, die heute der größte Vermögensverwalter der Welt ist – mit sagenhaften zwei Billionen (2.000 Milliarden) Euro betreuter Kundengelder.

RONDO: Herr Siméons, Sie sind französisch sprechender Belgier und verheiratet mit einer Flämin. Politisch sehr korrekt und wohltuend für Ihr Land. Können Sie diese Haltung in Ihrem Job als Schweizer Banker fortsetzen?

Patrick Siméons: Ich versuche es, denn UBS fühlt die tiefe Verantwortung, einen Teil seiner Geschäftserträge der Gesellschaft zurückzugeben. In den unterschiedlichsten Bereichen und den verschiedenartigsten Ländern unterstützen wir junge Leute bei ihrem Versuch, das, was sie am besten können, beruflich erfolgreich einzusetzen.

RONDO: Mit Ihrem Geld werden beispielsweise Behinderte in Asien und Arme in Afrika unterrichtet …

Siméons: … aber nicht nur. In unserem Kulturengagement fördern wir die nachhaltige Ausbildung junger talentierter Musiker in dem von uns mitbegründeten Orchester, dem UBS Verbier Festival Orchestra, und seiner alljährlichen Akademie. Nach Aussage von Kennern ist das VFO eines der weltbesten Trainingsorchester überhaupt.

RONDO: Kann man sich da als begabter Nachwuchs anmelden und ein paar schöne Sommermonate in den Schweizer Alpen verbringen?
Siméons: Ganz so einfach ist es leider nicht. Wenn Sie zwischen 17 und 29 sind, können Sie an verschiedenen Auditions rund um die Welt teilnehmen. Beim letzten Mal haben sich allerdings fast 2.000 Kandidaten für gut 40 Plätze beworben. Nur die Besten der Guten können da aufgenommen werden.

RONDO: Und die spielen dann sehr bald in einem großen Orchester auf dem Festival von Verbier, mit der ersten Garde an Dirigenten und Solisten, und gehen anschließend auf die jährliche Herbsttournee?

Siméons: Ja. In diesem Jahr starten wir in der berühmten Walt Disney Hall in Los Angeles und touren dann durch etliche der renommiertesten Säle in den USA und Europa. Dirigent ist Charles Dutoit und Solistin die große Martha Argerich. Und die Musiker, die zum ersten Mal dabei sind, sind schon ziemlich aufgeregt.

RONDO: Kein Wunder bei den berühmten Namen, die bereits mit den Jungen konzertiert haben. Um die alle durchzugehen, bräuchten wir vermutlich allein eine halbe Stunde.

Siméons: Ja, das ist eine lange Liste, aber man kann die ja auch im Internet nachlesen. Wir versuchen, den jungen Talenten eine unbezahlbare Erfahrung zu vermitteln, wenn sie eine gewisse Zeit mit den größten Musikern verbringen können.

RONDO: Einen Namen sollten Sie vielleicht doch noch nennen.

Siméons: Sie meinen James Levine? Er ist seit Gründungszeiten Ehrendirigent und kümmert sich sehr engagiert um die künstlerische Weiterentwicklung des VFO.

RONDO: Das Verbier Chamber Orchestra, der kleinere Ableger des großen Orchesters, will sämtliche Violinkonzerte Mozarts zusammen mit Maxim Vengerov einspielen, der zu dem Thema alles in einem kurzen Satz zusammengefasst hat: »Es gibt Gott, und es gibt Mozart.«

Siméons: Die erste Aufnahme aus dieser Serie ist schon erschienen und war ein wirklich guter Erfolg. Leider hat sich Maxim an der Hand verletzt, so dass wir im Moment nicht wissen, wann die nächsten Aufnahmen produziert werden können. Aber wie Sie richtig gesagt haben, es gibt ja noch Gott.

RONDO: Für ihre Aktivitäten um das Verbier Festival und das Festival Orchestra hat die UBS schon am Beginn eine Stiftung gegründet.

Siméons: Das geschah, damit die Stiftung, die das Orchester unterhält, in ihren künstlerischen Entscheidungen völlig frei sein kann. Wir als Hauptförderer der Stiftung wünschen uns nur, dass der Charakter des Orchesters als einer Ausbildungsstätte für junge talentierte Musiker erhalten bleibt und dass sich die Besetzung aus möglichst vielen Ländern und Kulturen zusammenfügt. Derzeit hat das VFO rund 100 Mitglieder aus über 30 Ländern und ist damit das einzige wirklich globale Trainingsorchester der Welt.

RONDO: Verbier und seine Orchester sind nicht die einzigen musikalischen Engagements der UBS?

Siméons: Nein, es gibt eine lange Liste von Veranstaltungen, die wir in abgestufter Form unterstützen. Neben Verbier sind für uns die wichtigsten internationalen Plattformen das London und das Boston Symphony Orchestra. Und nicht zu vergessen das Engagement bei der Chapelle Musical Reine Elisabeth in Brüssel.

RONDO: Das ist eine ziemlich neue Position.

Siméons: Ja, die Chapelle ist für uns die logische Ergänzung zum VFO. Hier wird jungen Musikern schon seit bald 70 Jahren der letzte professionelle Schliff gegeben, der sie zu einer Karriere in den großen Konzertsälen der Welt ertüchtigen soll.

RONDO: Opern sind bei Ihnen eher Nebensache. Warum sponsert UBS bevorzugt klassische Orchestermusik?

Siméons: Etwas Oper fördern wir auch. Der Grundgedanke ist: Wir wollen hören. Das kommt aus dem speziellen Ansatz, den UBS im Bankgeschäft vertritt: Das erste, was unsere Berater tun, ist, sie hören ganz genau hin - nämlich auf die Bedürfnisse unserer Kunden. So kommen wir zur Musik. Der zweite Gedanke ist »Teamwork«. Wir wollen als Bank ein genauso exzellent eingespieltes Team sein wie ein gutes Orchester. Und der dritte Punkt, der uns mit einem professionellen Orchester verbindet, ist der Drang nach Perfektion.

RONDO: Herr Siméons, modernes Sponsoring und die damit einhergehende gute materielle Ausstattung von immer mehr professionellen Künstlern, ist das eigentlich noch mit dem traditionellen Ausspruch von meist besser gestellten Kunstkennern vereinbar: »Nur die Armut gebiert Großes«?

Siméons: Das war vielleicht früher so. Ich denke, eine Menge künstlerischen Talents liegt brach, weil es noch immer nicht genügend Möglichkeiten gibt, diese Talente zu entwickeln. Deshalb ist es entscheidend, neue Möglichkeiten zu schaffen und diese Talente zum Blühen zu bringen. Dafür wird natürlich auch etwas Geld benötigt.

Günter Bereiter, RONDO Ausgabe 6 / 2007



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