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André Previn

Halb so romantisch

Nach über zehn Jahren hat André Previn wieder eine Jazz-CD aufgenommen. „Alone“ heißt sie. Doch mit seiner Trennung von Anne-Sophie Mutter hat dieser Titel nichts zu tun. Das wenigstens gab er Michael Wersin zu Protokoll.

RONDO: Herr Previn, bezieht sich der Titel dieser CD – „Alone“ – denn tatsächlich nur auf die Tatsache, dass Sie ganz allein spielen?

André Previn: Ja!

RONDO: Es liegt doch der Verdacht nahe, Sie nähmen darauf Bezug, dass Sie wieder allein leben?

Previn (lacht): Oh nein, sooo romantisch ist die Sache nicht.

RONDO: Die CD enthält praktisch ein reines Balladenprogramm, und Sie spielen deutlich weniger virtuos und harmonisch, weniger sophisticated als früher.

Previn: Nun, ich hab’s nicht mehr so gerne, zu viele Noten zu spielen. Aber dass Sie sagen, ich sei harmonisch weniger sophisticated, überrascht mich – ich meine, die Harmonien sind jetzt viel komplizierter.

RONDO: Na ja, wenn man bedenkt, was Sie noch Mitte der 90er in den Songbooks mit Sylvia McNair an gewagten Reharmonisations geliefert haben!

Previn: Für die neue CD habe ich die Lieder nicht selbst ausgesucht, sondern ich habe den Leuten gesagt, hier ist eine Liste von ungefähr 40 Songs, die ich gern habe, und dann haben sie mir die Noten besorgt. Die lagen auf einem kleinen Tisch neben dem Klavier, und ich habe immer das nächste Stück von diesem Stoß genommen, habe angefangen zu spielen, und wenn mir nichts Besonderes eingefallen ist, habe ich’s ein fach weg geworfen und das nächste genommen. Es ist auf der ganzen CD kein einziger Track, der nicht der erste Take war. Wir haben nie etwas wiederholt.

RONDO: Haben Sie schon öfter CDs auf diese Weise aufgenommen?

Previn: Wissen Sie, wenn ich früher mit Joe Pass und Ray Brown gespielt habe, dann haben wir ganz anders gearbeitet. Aber wenn man ganz allein spielt, dann kann man’s ja so versuchen, entweder es klappt, oder es klappt nicht.

RONDO: Sie sind ja wirklich der einzige Musiker, der eine echte Doppelkarriere mit Klassik und Jazz gemacht hat – wie war das möglich?

Previn: Das kann ich Ihnen nicht sagen, ich habe keine Ahnung. Friedrich Gulda hat das ja auch versucht. Ich mag beides sehr gern, und ich will beides spielen, solange man es mir erlaubt. Meine Beschäftigung mit Jazz macht bei mir vielleicht ein von 100 Prozent aus jedes Jahr, und es wird immer weniger, ich habe dafür einfach keine Zeit, ich bin viel zu sehr beim Dirigieren, und ich komponiere so viel. Ich habe jetzt meine zweite Oper beendet, die erste ist ja glücklicherweise ziemlich erfolgreich.

RONDO: Welches Sujet liegt Ihrer neuen Oper zugrunde?

Previn: Das ist ein Theaterstück von Noël Coward, es heißt „Brief Encounter“.

RONDO: Das wurde doch 1945 verfilmt, mit Rachmaninows zweitem Klavierkonzert als Filmmusik.

Previn (lacht): Ja, genau richtig.

RONDO: Es ist faszinierend, wie perfekt Sie deutsch sprechen. Sie wurden ja in Deutschland geboren, mussten aber schon 1938 noch als Kind flüchten. Haben Sie nach all den Jahrzehnten noch so etwas wie eine deutsche Identität?

Previn: Oh ja, ich habe bis voriges Jahr acht Jahre lang in München gewohnt, da gewöhnt man sich wieder an vieles, und meine Frau ist Deutsche – ich bin sehr glücklich in Deutschland.

RONDO: Auf Ihrer Homepage ist zu lesen, es sei besonders wichtig für Sie, daheim bei Ihrer Familie zu sein. Aber nach Ihrer Trennung von Anne- Sophie Mutter ...

Previn: Ohne unhöflich sein zu wollen: Das ist eine private Frage, da möchte ich nicht drüber sprechen.

Neu erschienen:

Alone

André Previn

Emarcy/Universal

Michael Wersin, RONDO Ausgabe 4 / 2007



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