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Lisztige Mückenfalle

Warzen im Gesicht – und noch dazu riesige auf fiesen, dünnen Stielen – stellen hierzulandekein kosmetisches Problem mehr dar. Und auch Zahnausfall sollte selbst bei knappen Gesundheitskassen ohne weiteres zu kaschieren sein und wo doch nicht, hilft heute jedes bessere Bildbearbeitungsprogramm, um wenigstens auf Fotografien das Manko zu kaschieren. Franz Liszt jedoch, der in seiner Jugend die Damenwelt hinriss, stand im Alter sowohl zu seinen Warzen wie auch zu seinem Zahnverlust. Die Porträtmaler seiner Zeit hielten nichts von so vielausgestellter Hässlichkeit und halfen der äußeren Erscheinung ein wenig idealisierend auf die Sprünge. Einer aber, der damals 15-jährige Maler Leonhard Thoma, zeigte auf einem 1879 in München entstandenen Gemälde den Meister,wie die Natur ihn verunzierte: mit eingefallener Oberlippe. Markus Scheubeck, der Besitzer des Bildes, will jetzt aus dem Verkauf des Kunstwerks Kapital schlagen. Kapital, mit dem er einen neuartigen Moskitokiller produzieren möchte, der die kleinen Plagegeister durch menschliche Geruchsstoffe in die Falle locken soll. Der wackere Unternehmer erhofft sich einen siebenstelligen Geldbetrag (www.liszt.biz).

Markus Kettner, RONDO Ausgabe 6 / 2006



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