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Schätze für den Plattenschrank

Da strahlen nicht nur Gottvater und die Engelein …

Wer hätte noch vor zwanzig Jahren vermutet, dass irgendwann einmal auch die heiligen Chorwerke des 19. Jahrhunderts fest in der Hand der historischen Aufführungspraktiker liegen würden. Was allein Philippe Herreweghe da mit seinem Orchestre des Champs-Élysées aus Beethovens „Missa solemnis“, Mendelssohns „Paulus“ und nicht zuletzt aus dem „Deutschen Requiem“ von Brahms an wundersamen Weiten und inneren Dramen herausholt und bei aller Notentreue trotzdem dem Klang die Luft zum Atmen lässt, kann man sich nicht gelungener und seligmachender vorstellen. Die Alte Musik-Szene – längst ist sie eben in jene Epoche aufgebrochen, die bisher ausschließlich in den Händen der romantischen Pathos-Fraktion lag. Weil aber die Box „Sacred Music“ mehr als nur einen Ausschnitt aus der reichen Archivschatzkammer des hochkultivierten harmonia mundi-Labels bieten will, kommen auch die anderen Jahrhunderte – von der Gregorianik über die Klassik bis ins 20. Jahrhundert – mit geistlichen Werken, u.a. von Ernst Krenek und Leonard Bernstein, zu ihrem Recht. Und wem begegnet man da nicht alles: Das Huelgas Ensemble unter der Leitung von Paul van Nevel sowie das „Theatre of Voices“ unter Paul Hillier lassen etwa mit Lassus-Lamentationen bzw. Werken der Notre Dame-Schule das Herz höher schlagen. William Christie vollführt einen kompletten „Messiah“ von Händel, den man nicht sinnenfroher präsentieren kann (was aber eben bei einem Sängerensemble von Sandrine Piau bis Andreas Scholl kein Wunder ist). Und René Jacobs versteht unnachahmlich, mit einer Rarität wie dem Oratorium „Cain“ von Alessandro Scarlatti das Herz und den Verstand genauso zu fesseln wie mit dem unverwüstlichen „Weihnachtsoratorium“ von Bach. Zu guter Letzt liegt dieser exquisiten Tour durch die geistliche Musik auch ein höchst lesenswertes Booklet bei.

„Sacred Music“

harmonia mundi

Guido Fischer, RONDO Ausgabe 5 / 2014



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