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Barrie Kosky (c) Thomas Jauk

Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Barrie Kosky, beinahe ein Harald Glööckler der Berliner Klassikszene, hat sein Augenbrauen- Piercing rausgemacht. „Ich bin zu alt dafür“, sagte er dem Berliner “tip“. „Wenn ich irgendwann richtig alt sein werde, trage ich vielleicht nur noch schwarz und habe nur noch einen einzigen Ring.“ Und zwar den „Kosky- Ring“! Den könne man nach seinem Tode wie den Iffland-Ring als Preis weiterreichen. „Für Aufführungen“, so Kosky, „die besonders ‚koskyesk’ gelungen sind“. Mit der Worterklärung hierfür stünde er im Wörterbuch dann immer noch in gebührendem Respektsabstand hinter ‚kafkaesk’.
Die spanische Sopranistin Montserrat Caballé (81) hat in ihrer Heimat einer Strafe von einer halben Millionen Euro zugestimmt, um einer weiteren Verurteilung wegen Steuerhinterziehung zu entgehen. Caballé wird vorgeworfen, im Jahr 2010 Einnahmen in Höhe von 2 Millionen Euro auf ein Konto in Andorra verschoben zu haben. Zu ihren Gunsten sprach, dass sie kein Vorstrafenregister hat. Außerdem sei sie gesundheitlich angeschlagen. Andernfalls wäre möglicherweise eine Haftstrafe verhängt worden. Caballé erlitt vor zwei Jahren einen Schlaganfall und einen Armbruch, wovon sie sich nur unzureichend wieder erholte.
Blockflöten-Star Maurice Steger ist ratlos in Bezug auf den sexuellen Anspielungsreichtum seines Instruments. Dessen oberer Teil wird von Instrumentenbauern tatsächlich „Anblaskante“ genannt. „Die Blockflöte ist leicht sexuell konnotiert“, so Steger, „allerdings nicht bei mir!“ Wie lange solle man, wenn man wirklich spiele, eine solche Assoziation denn aushalten?! „Das geht ja gar nicht.“ In Indien sei es übrigens umgekehrt. „Da wird der geigende Mann als unnatürlich empfunden“, so Steger.
Auf Betreiben der Kinder von Claudio Abbado ist das Grab des im Januar verstorbenen Dirigenten von Sardinien nach Sils-Maria im Engadin verlegt worden. Abbado hatte im benachbarten Fextal regelmäßig seine Ferien verbracht. Er habe einen „gewissen Zauber“ von Sils-Maria besonders stark empfunden und seine schönste Zeit beim Festival von Luzern erlebt, so begründeten die Kinder ihre Entscheidung.
Erfolgsregisseur Herbert Fritsch, der in Zürich und Berlin neuerdings auch Opern inszeniert, ist stolz auf eigene Fehler. „Manchmal läuft bei den Proben stundenlang etwas munter in die falsche Richtung, bis mir ein Dramaturg sagt, dass ich die Szene nicht richtig verstanden habe. Das sind die schönsten Momente“, so Fritsch in Berlin. Außerdem sei die Annahme, dass Oper für ihn neu ist, nicht richtig. „Ich würde sagen, ich mache immer Oper. Ich habe noch nie was anderes gemacht.“
Michael Tilson Thomas (69), Chef des San Francisco Symphony, hat seinen langjährigen Freund Joshua Robison geheiratet.
Die Solo-Pianistin des Beethoven-Orchesters Bonn, Kate de Marcken, ist von ihrem Ehemann, einem Cellisten des Orchesters, ermordet worden. Der 54-Jährige ist geständig. Er hatte seine Frau während eines Streits angegriffen und anschließend erdrosselt. Die Leiche wurde in einem Waldstück gefunden.
Dirigent Nikolaus Harnoncourt steht zu seiner unverblümten Ausdrucksweise. „Ich habe mit zehn Jahren aus heiterem Himmel zu meinem Vater gesagt: ‚Höflichkeit ist Lüge’“, so erzählte er in Berlin. „Um mit 12 Jahren hinzuzufügen: ‚Diplomatie ist Lüge’“, so Harnoncourt. „Es ist mir lieber unverblümt zu reden, auch wenn sich manchmal die Leute kränken, als dauernd liebe Sachen zu sagen und dabei zu denken, dass sie Trottel sind. Bloß nicht verblümt sein!“ Im Dezember wird Harnoncourt 85 Jahre alt.

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 6 / 2014



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