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Tut sich das nicht an: Regula Rapp (c) Oliver Röckle/Universität für Musik und darstellende Kunst Wien

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Vertane Chance

Durch die heiligen Hallen der Wiener Universität für Musik und darstellende Kunst sind sie alle zur nächsten Prüfung gehetzt. Gustav Mahler und Claudio Abbado, Friedrich Cerha und Friedrich Gulda, der Peter Alexander und Zubin Metha. Seit 1817 gibt es dieses Lehreinrichtung, die natürlich mehr ist als nur dies. Laut Eigenauskunft ist sie die weltweit größte Musikuniversität. Angesichts ihrer Geschichte und ihres Renommees sind aber nicht nur für die Studierenden die Anforderungen hoch. Auch die mit leitenden Aufgaben bedachten Angestellten müssen im Vorfeld natürlich exzellente Referenzen und Leistungsnachweise vorweisen können, um überhaupt in die engere Kandidatenrunde zu kommen.
Solche Empfehlungsschreiben hatte die gebürtige Konstanzerin Regula Rapp nun zuhauf auch dem Universitäts-Senat vorgelegt und damit einen höchst angesehenen Posten an Land gezogen. Zum 1. Oktober wurde sie vom Universitätsrat aus einem Drei-Personen-Vorschlag des Senats zur neuen Rektorin bestellt - womit sie zugleich die erste Frau an der Spitze dieser Institution gewesen wäre. Wie der Konjunktiv aber eben verrät, ist aus dieser Neubesetzung nichts geworden. Regula Rapp, die seit 2012 Rektorin der Stuttgarter Musikhochschule ist und vorher u.a. als Dramaturgin für Daniel Barenboim und Nikolaus Harnoncourt arbeitete – diese hochqualifizierte Musikwissenschaftlerin hat sich jetzt entschlossen, die Wahl doch nicht anzunehmen und stattdessen lieber in Stuttgart zu bleiben.
Für sie war die „Legitimationsbasis zu prekär", so Rapp in ihrer Begründung. „Wenn eine Universität eine von außen kommende Rektorin, die den 'Blick von außen' mitbringt, nicht als Chance erkennt, dann ist eine stabile Leitung und eine zukunftsweisende Weiterentwicklung dieser Universität kaum vorstellbar. Die Universität muss für diese zeitgemäße Lösung auch innerlich reif sein." Holla – da steckt bei aller Sachlichkeit im Ton aber doch schon richtig Feuer. Immerhin spricht hier eine Fachfrau einer sicherlich auch nicht unbeleckten Kollegenschaft die „innerliche Reife“ ab. „Selbstverständlich gibt es auch etliche Professoren, die mich begrüßt haben“, so Rapp. Doch die Unterstützung durch den Senat war nach der Wahl sehr zweifelhaft. Der hatte nämlich dem Vernehmen nach die im Dreiervorschlag ebenfalls genannte Vizerektorin Ulrike Sych favorisiert und fühlte sich anscheinend durch die Wahl des Universitätsrats düpiert. Sych kündigte auch postwendend eine juristische Prüfung der Kandidatinnen-Kür an. Was soll’s: Am Neckar ist es fast genauso schön wie an der Donau - zumindest weht wahrscheinlich nicht so ein schneidender Wind durch die Flure.

Guido Fischer



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