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Eintritt frei: Sinfoniekonzert gegen Spende - bei Gefallen (c) Hallé Orchester Manchester

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So geht´s vielleicht auch!

Noch einige Wochen befinden sich die Konzerthäuser im Sommerschlaf. Die Hausaufgaben für die kommende Spielzeit haben die Intendanten und GMDs aber selbstverständlich längst gemacht. Und wie zu jeder Saison hat man sich hier und da etwas Besonderes einfallen lassen, um ein neue Klassik-Hörerschaft zu generieren. So präsentiert etwa das Bonner Beethoven Orchester gleich zu Beginn die Weltpremiere eines Projekts, mit dem vor allem die Play Station-Generation angesprochen werden soll. Im Mittelpunkt bei „Final Symphony II“ stehen Orchesterarrangements von Videospielmusiken, die die beiden Japaner Masashi Hamauzu und Nobuo Uematsu für das erfolgreiche Videospiel „Final Fantasy“ komponiert haben. Und wie die bisherigen, ähnlich angelegten Programme gezeigt haben, waren gerade die jüngeren Zuhörer von den romantischen Orchesterstücken hellauf begeistert. „Aus meiner Sicht sollten Spielemusikkonzerte die Orchestermanager im wahren Sinne des Wortes aufhorchen lassen“, so der deutsche „Final Symphony“-Produzent Thomas Böcker über solch ein musikalische Öffnung des Konzertbetriebes. „Hier bietet sich eine Chance!“
Aber natürlich ließe sich auch das Experiment nachahmen, mit dem das traditionsreiche Hallé Orchestra aus Manchester Publikum gewinnen will. Am 6. September findet ein sog. „Priceless Classics“-Konzert statt, bei dem man nicht nur anhand von zehn kurzen Orchesterstücken ein musikalisches Panorama vom 17. bis zum 21. Jahrhundert geboten bekommt. Es darf geklatscht werden, ohne dass der Nebenmann einen empört anglotzt. Man darf zwischenruhig ruhig raus gehen, zur Toilette oder an die Bar. Und erst ganz zum Schluss, nach dem letzten Ton, wird abgerechnet. Durfte man kostenlos das Konzert besuchen, kann jeder am Ausgang so viel in die Orchesterschatulle schmeißen, wie man möchte. Und vielleicht hat es denjenigen, die bis dahin noch nie im Konzert gewesen sind, so gefallen, dass sie sich nicht nur spendabel zeigen, sondern am nächsten Tag ins Ticketbüro des Hallé Orchestras rennen.

Guido Fischer



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