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Ganz große Oper: Die Einweihung des Neubaus - hier Stand Ende Januar - wurde verschoben (c) sanierung.buehnenkoeln.de

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Köln, wie es singt und patzt!

„‚Dich, teure Halle, grüß´ ich wieder‘ –so könnte diese neue Spielzeit überschrieben sein, in der wir wieder das Opernhaus beziehen, mit dem sich für viele von uns die Erinnerung an unvergessliche Abende verbindet.“ Wie oft muss sich mittlerweile Birgit Meyer wohl geärgert haben, mit diesen Zeilen im neuen Spielzeitheft der Kölner Oper ihre Grußworte zu beginnen. Denn mittlerweile hat die Gegenwart, beziehungsweise die Kölner Kulturpolitik die Opernintendantin eines Besseren belehrt. Der Termin der Wiedereröffnung im November musste wegen eklatanter Planungsfehler auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Außerdem haben die bisherigen gemeinsamen Umbau- und Sanierungskosten für das Opern- und das Schauspielhaus längst die rote Linie überschritten: aus den ursprünglich angesetzten 250 Millionen Euro werden es am Ende wohl mindestens 300 Millionen Euro sein.
Nun steht Köln mit diesem Debakel natürlich nicht allein auf weiter Flur – Stichwort „Hamburger Elbphilharmonie“ oder „Berliner Lindenoper“. Doch die Dom-Stadt scheint einfach ein Händchen für schlagzeilenträchtige Pleiten und Pannen im Kultur-Sektor zu haben. Allein im Falle des 2009 eingestürzten Historischen Stadtarchivs brauchte man geschlagene sechs Jahre, bis man jetzt endlich für den Neubau eine Baustelle einrichten konnte.
Nun also kann auch der Plan, am 7. November das frisch renovierte Opernhaus am Offenbachplatz mit der Premiere von Berlioz´ „Benvenuto Cellini“ und unter Leitung des neuen GMD Franҫois-Xavier Roth zu eröffnen, in den Aktenschredder. Womit die Probleme aber eben mitnichten vom Tisch wären, im Gegenteil: Da man die Übergangsspielstätte der Oper, das Musical-Zelt am Rhein, längst gekündigt hat, steht man aktuell ohne Ausweichspielstätte da. Was den Kölner Ex-Opernintendanten Uwe Eric Laufenberg im Kölner „Express“ zu der berechtigten Einlassung motivierte: „Wer ist denn so dumm und kündigt seine Wohnung und gibt den Termin für die Einweihungsfeier im neuen Haus bekannt, wenn das Haus noch mitten im Bau ist?" So ist Köln. In der Broschüre zur neuen Opernsaison hat Birgit Meyer übrigens stolz verkündet, dass die Kölner Oper im Herbst 2016 die Europäische Opernkonferenz ausrichten und dazu Gäste aus aller Welt einladen wird. Vielleicht sollte man diesen Termin ganz schnell wieder absagen. Die Gefahr, dann vollends zum Gespött der Kollegen zu werden, ist riesengroß.

Reinhard Lemelle



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