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Martin Grubinger (c) Felix Broede

Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Einen Anfall von Gehässigkeit haben Klarinettistin Sabine Meyer und ihr Ehemann, der Klarinettist Reiner Wehle, nicht bezwingen können. In der Rubrik „Blind gehört“ eines in Berlin erscheinenden Klassik-Magazins bezeichneten sie das Spiel ihres Kollegen Andreas Ottensamer als „metronomisch“, tonlich „gleichförmig“ und „abtörnend“. Vielleicht liege es auch daran, so Reiner Wehle, dass Ottensamer „immer auf Plastik-Blättern spielt – für mich klingt das jedenfalls nach Plastik“. Es erscheine bei Ottensamer „alles gleich“ und „sehr kontrolliert“, so Wehle. „(...) aber eben sehr unkünstlerisch“, so Sabine Meyer. Klarinettisten gehören, so könnte man glauben, zu den boshafteren Naturen innerhalb eines Orchesters.
Ingo Metzmacher, ehemaliger Chefdirigent des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin, glaubt nicht, dass man jemanden wie ihn noch einmal für eine solche Position engagieren würde. „Ich stehe zu einem Bekenntnis zur Moderne“, so Metzmacher gegenüber dem Berliner Stadtmagazin „tip“. „Ich glaube, dass Leute wie ich heute mit den Institutionen nur noch schwer kompatibel sind.“ Er sei inzwischen darauf angewiesen, für einzelne Projekte eingeladen zu werden.
Bass-Bariton Dmitri Hvorostovsky hat bis auf weiteres sämtliche Auftrittstermine abgesagt, nachdem bei ihm ein Hirntumor diagnostiziert wurde. Auch Bariton Johannes Martin Kränzle muss vorerst pausieren, um eine bei ihm festgestellte Knochenmarkserkrankung behandeln zu lassen. Mezzo-Sopranistin Elīna Garanča hat anstehende Termine mit dem Hinweis auf eine schwerwiegende Krebserkrankung ihrer Mutter gecancelt. Dass der Comeback-Auftritt von James Levine beim Verbier-Festival ausfiel, liegt hingegen, wie Levine mitteilte, lediglich an Komplikationen nach einer Ohrenentzündung.
Multiperkussionist Martin Grubinger (32), der als erster Klassik-Künstler in der Geschichte des „Eurovision Song Contest“ dieses Jahr den Interval-Act der Veranstaltung in Wien gestaltete, glaubt, dass er ein typischer Ausdruck seines österreichischen Heimatlandes ist. „Ich bin in einem Land mit Blasmusik aufgewachsen. Da hat man in jedem Gebirgs- Bläserkorps Schlagzeug mit dabei“, so Grubinger in seinem Haus in der Nähe von Salzburg. Daraus folgt allerdings nicht, dass er sonderlich populistisch denkt. Einen Schallplattenvertrag bei der Deutschen Grammophon kündigte Grubinger freiwillig, nachdem man ihn dazu überreden wollte, Klavier-Lullabies für Marimbaphon zu bearbeiten und auf CD einzuspielen. „So ein Blödsinn!“, so Grubinger. Seitdem hat er keine CDs mehr aufgenommen.
Der amerikanische Dirigent Michael Tilson Thomas (70) rechnet nicht damit, dass die Krise der amerikanischen Orchester bereits überwunden ist. „In ganz Amerika ist es leider so, dass die Museen den Musikinstitutionen den Rang abgelaufen haben. Das ist ein großes Problem für uns“, so Tilson Thomas in San Francisco, wo er lebt. „Museen sind die neuen Kathedralen.“ Beneidet habe er europäische Orchester aber trotzdem noch niemals um ihre Subventionen. “Und zwar deswegen, weil alle für mich wichtigen Projekte durch private Sponsoren zustande gekommen sind. Ich persönlich habe durchgängig gute Erfahrungen mit dem amerikanischen Modell gemacht.“
Der walisische Bass-Bariton und Bauern- Sohn Bryn Terfel sieht sich als eine Art „Landwirt des Gesangs“. „Klar doch!“, sagte er in London, „wir Musiker bauen Noten an!“ Er bewundere seinen Vater, der seit 75 Jahren mit Schafen und Kühen sein Geld verdiene. „Er würde mich aber auslachen, wenn ich ankündigen würde, in seine Fußstapfen zu treten. Und er hat Recht damit.“ Terfel-Sohn bringe es bestenfalls zu einem Gentleman-Landwirt. „Und das ist nicht genug“, so Terfel.

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 4 / 2015



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