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(c) Irene Zandel

Trio Jean Paul

Ehe zu dritt

Seit bald 25 Jahren musiziert das Klaviertrio gemeinsam. Jetzt aber spielt es sogar Brahms’ Sextette. Ein Gespräch mit dem Geiger Ulf Schneider.

Ich appelliere vor dem Verstand an den Witz.“ So lautete einer der unendlich wertvollen Lebensmaximen des Romantikers Jean Paul. Und wenn man sich allein die CD-Coverfotos von Eckart Heiligers, Ulf Schneider und Martin Löhr anschaut, versteht man nur zu gut, warum diese drei sich Jean Paul als Namenspatron ausgesucht haben – so schmunzeln keine Männer von Traurigkeit in die Kamera. Und auch nach 25 Jahren gemeinsamen Musizierens hat man sich den Humor bewahrt, wie das Titelfoto der gerade erschienenen Brahms-CD belegt. Natürlich gab es gleichermaßen künstlerische Gründe für die Wahl Jean Pauls, wie Violinist Ulf Schneider bestätigt. Jeder der Musiker hatte schon früh eine besondere Beziehung zum Schaffen Robert Schumanns – dessen Lieblingsschriftsteller Jean Paul bekanntermaßen war. „Die Namenswahl dieses großen Rhetorikers spiegelt aber vor allem unser Anliegen, im Sinne des interpretatorischen Grundgedankens der ‚musikalischen Konversation‘, die sprachhaft rhetorischen Elemente in der Musik deutlich zu machen und sie im musikalischen ‚Gespräch‘ miteinander zum Klingen zu bringen.“
Ein Grundgedanke, der sich längst in vielen erfolgreichen Projekten und Aufnahmen niedergeschlagen hat. Wobei es Pianist Eckart Heiligers, Cellist Martin Löhr und eben Ulf Schneider seit der Trio-Gründung im Jahr 1991 bis heute wichtig ist, dass man sich und auch das Publikum stets mit außergewöhnlichen Programmen überrascht und somit neue Horizonte bietet. Mit Schriftsteller Peter Härtling schlug man etwa einen musikliterarischen Bogen hin zu Beethoven und E.T.A. Hoffmann. Und auf die diskografische Verbrüderung zwischen Schumann und Wolfgang Rihm folgte 2014 die Uraufführung eines neuen Tripelkonzerts, das Rihm für das Trio Jean Paul komponiert hat.
Diese musikalische Vielsprachigkeit hat sich bei den drei Musikern ganz organisch entwickelt. Zuvor legten aber auch sie den Grundstein für ihre gemeinsame Karriere über erfolgreich bestrittene Wettbewerbe. So erspielte man sich 1. Preise in Melbourne und beim Deutschen Musikwettbewerb. Seitdem ist man international viel unterwegs, gastiert auf wichtigen Festivals und erweitert ständig das Repertoire auch über Neuentdeckungen. Dazu gehören jetzt die beiden Streichsextette von Johannes Brahms, aufgenommen in der Klaviertriofassung des Schumann- Freundes Theodor Kirchner. Die Originale haben Schneider und Cellist Löhr immer wieder mal mit anderen Kollegen gespielt. „Bei den Sextetten“, so Schneider, „ist der homogene, miteinander verschmolzene Klang erstrebenswert. Bei den Trio-Fassungen von 1883 gibt es aber gleich zwei Herausforderungen. Zum einen muss man miteinander verschmelzen – was auch mit dem Klavier bestens funktioniert. Zugleich hat jeder seine solistische Aufgaben.“ Die Einspielung wirft aber nicht nur ein verblüffend neues Licht auf zwei Brahms-Klassiker. Sie spiegelt einmal mehr das immens hohe, musikalische Gesprächsniveau wider, bei dem Verstand auf Empfindung und Humor trifft. „Die Trios machen mir außerordentliches Pläsir“, schrieb Brahms einst begeistert an seinen Verleger. Solches Gefallen hätte er jetzt auch an der Aufnahme vom Trio Jean Paul gefunden.

Neu erschienen:

Johannes Brahms

Die Streichsextette, Triofassung von T. Kirchner

Trio Jean Paul

CAvi-music/hm

Guido Fischer, RONDO Ausgabe 6 / 2015



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