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German Brass (c) Peter Adamik

Boulevard

Ein Schuss Jazz, eine Prise Film, ein Löffel Leichtigkeit: Bunte Klassik

Tierisch-Musikalisches von Salut Salon

Worum geht es in der klassischen Musik? Was sind die großen Themen hinter den Tönen? Das erfolgreiche Damen-Ensemble „Salut Salon“ ist ja seit jeher dafür bekannt, diese Frage augenzwinkernd, virtuos und überraschend zu beantworten. So auch mit dem neuen Album „Carnival Fantasy“. Wer gedacht hat, den berühmten Komponisten wäre meist daran gelegen, ferne Geliebte, schöne Landschaften, zwischenmenschliche Dramen oder wie auch immer geartete Seelenzustände zu besingen, irrt. Auffallend oft treiben die Meister der Klassik Gedanken über unsere tierischen Zeitgenossen um. Und das nicht nur im „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns: Neben Highlights aus diesem Zyklus präsentiert das Ensemble Rimski-Korsakows berühmte Hummel, Iberts Gedanken zu einem kleinen Esel, Geschichten über Haie von Kurt Weill, John Williams und Astor Piazzolla, Bachs Blick auf friedlich weidende Schafe und viele Kabinettstückchen mehr – mit einer Python, Fischen und sogar einer Leuchtqualle. In der Deluxe Edition gibt’s dazu ein umfangreiches Beibuch und eine DVD. Darauf ist übrigens auch das Video „Wettstreit zu viert“ mit Vivaldis „Sommer“ zu finden – Salut Salons Youtube-Hit mit über 20 Millionen Klicks.

Carnival Fantasy

Salut Salon

Warner

Der Geist der vier aus Liverpool

Der Lateiner spricht vom „Genius Loci“, vom Geist eines bestimmten Ortes, der die eigene Inspiration beflügeln kann. Nach einigen Alben mit klassischem Repertoire hat der Gitarrist Miloš Karadaglić seine einfühlsamen Beatles-Arrangements nun im legendären Abbey Road Studio 2 aufgenommen, wo auch die meisten Produktionen der legendären Band entstanden – und es kamen Mikrofone zum Einsatz, in die schon Lennon und McCartney sangen. Eine gute Voraussetzung, um den musikalischen Geist durch unsterbliche Melodien von „All My Loving“ bis „Yesterday“, von „Let It Be“ bis „The Fool On The Hill“ schweifen zu lassen – mal solistisch, mal von Streichern eingebettet, oder mit Kollegen wie dem Cellisten Steven Isserlis oder dem Sänger Gregory Porter.

Blackbird. The Beatles-Album

Miloš Karadaglić u.a.

Mercury Classics/Universal

Begegnung der Bachschen Art I

Es gibt Musikinstrumente, die Komponisten nicht gerne zu Partnern machen. Moderner Flügel plus Cembalo – das ist selten. Wenn man allerdings dem Jazzpianisten Édouard Ferlet und seiner sonst eher im Bereich der Alten Musik agierenden Kollegin Violaine Cochard zuhört, dann wirkt der Dialog der beiden Tasteninstrumente geradezu natürlich. Wie so oft ist Johann Sebastian Bach die Quelle, aus der die beiden schöpfen – allerdings nicht swingend-jazzig wie in anderen Adaptionen, sondern eher minimalistisch-motorisch, in sehr freier, rhythmisch vertrackter Abwandlung der Vorlagen vor allem aus verschiedenen Klavierwerken Bachs. Dabei wird das Cembalo auch schon mal zu einer Art Schlagzeug.

Bach Plucked/Unplucked

Violaine Cochard, Édouard Ferlet

Alpha/Note 1

Begegnung der Bachschen Art II

Seit vier Jahrzehnten steht es für den gepflegten, virtuosen Blechklang mit Repertoire über alle Genres und sonstige Stilgrenzen hinweg: das Ensemble German Brass, das sich nun wieder einmal dem Übervater Johann Sebastian Bach annähert. Im facettenreichen, mal festlichen, mal virtuosen Glanz des Blechs, in den Sound aus Trompeten, Hörnern, Posaunen und Tuba getaucht ziehen Highlights aus Bachs Schaffen vorüber. Und das nicht nur in kleinen Häppchen: Neben der Toccata und Fuge d-Moll enthält das Programm Bearbeitungen eines kompletten Klavierkonzerts und des dritten Brandenburgischen Konzerts. Dazu etwas aus dem „Wohltemperierten Klavier“, eine neu zusammengestellte Suite und Auszüge aus Kantaten.

Bach On Brass

German Brass

Berlin Classics/Edel

Oliver Buslau, RONDO Ausgabe 1 / 2016



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