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Boulevard

Ein Schuss Jazz, eine Prise Film, ein Löffel Leichtigkeit: Bunte Klassik

Suche nach dem „Land Of Gold“

Das Schicksal der Flüchtlinge in aller Welt beschäftigt nicht nur Normalbürger und Politiker, sondern auch Musiker. Anoushka Shankar, Tochter des berühmten Sitar-Virtuosen Ravi Shankar und Vertreterin einer über alle Grenzen hinaus die Menschen vereinenden Weltmusik, beschreibt in ihrem jüngsten Album den Weg zum „Land Of Gold“. Die Reise an diesen Ort, „den man Heimat nennen kann, einen Ort der Sicherheit, der Geborgenheit, der Ruhe“, sei das „Leitmotiv“ und die „narrative Struktur des Albums“, so die Künstlerin, die hier mit vielen Kollegen zusammengearbeitet hat – darunter Manu Delago, Sanjeev Shankar, Alev Lenz, Larry Grenadier und Schauspielerin Vanessa Redgrave, die im Titel „Remain The Sea“ ein Gedicht von Pavana Reddy rezitiert.

Anoushka Shankar

Sinfonische Wiederauferstehung eines Kultalbums

Stehende Streicherflächen, dazu der berühmte Klang eines Mini-Moog-Synthesizers: Mit solchen Mitteln schrieb die Gruppe Pink Floyd im über dreizehnminütigen Song „Shine On You Crazy Diamond“ 1975 Musikgeschichte. Das Album „Wish You Were Here“, übrigens künstlerisch eine wahre Schwergeburt, wurde zur Kultplatte. Manche priesen es sogar als bestes Album aller Zeiten. Gut vierzig Jahre später erlebt es nun seine sinfonische Neuauflage: Die Klangexperimente von damals sind in die pompöse orchestrale Struktur des London Orion Orchestra eingebettet. Der Mini Moog wich einer Trompete, E-Gitarrensoli virtuosen Violinpassagen. Ein bisschen Avantgardeexperiment ist auch dabei – so bildet das Stimmen des Orchesters einen eigenen Track.

“Pink Floyds Wish You Were Here Symphonic"

Decca/Universal

Trauern, tanzen und marschieren

Was haben Komponisten wie Franz Schubert, Wolfgang Amadeus Mozart, Béla Bartók mit Osttiroler Bauern gemeinsam? Antwort: das, was man zwar nicht so gemeinhin Volksmusik nennt, was aber die wahre Volksmusik ausmacht. Die Gruppe Franui, übrigens benannt nach einer Almwiese und sich selbst als „Musicbanda“ bezeichnend, setzt sich mit ihren farbigen Bearbeitungen mit Trompete, Klarinette, Zitter, Saxofon, Akkordeon und vielem mehr passgenau mitten zwischen die Stühle von tänzerischer Klassik, klassischer Folklore. Das Wort „Tanz“ im Albumtitel darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Musik auch etwas abgrundtief Trauriges hat. Wie die Musiker selbst im Booklet schreiben: „Wenn du einen Trauermarsch viermal so schnell spielst, wird’s eine Polka.“

Franui: Tanz! (Franz) „Und Lenz wird kommen/Und Winter wird gehn …“

Der Thomaskantor in Brasilien

Dass die Musik von Johann Sebastian Bach universale Qualitäten hat, dass sie Völker verbindet und in jedem von uns eine Art von Weltseele berührt – das haben schon viele heraufbeschworen. Diesmal steht Bachs Musik im Mittelpunkt einer Kinokomödie, die einen deutschen Musiklehrer einem Kulturschock aussetzt. Marten Brückling – verkörpert von Edgar Selge – erbt ein handschriftliches Notenblatt mit Musik des großen Barockgenies, muss es aber persönlich abholen: in Brasilien! Es kommt, wie es kommen muss: Martens Gepäck mitsamt des wertvollen Erbes wird gestohlen, und Hilfe wird ihm nur zuteil, wenn er sich einer Jugendstrafanstalt als Lehrer zur Verfügung stellt. Dass er dabei vieles, was er über die Gesetze der Tonkunst zu wissen glaubt, über Bord werfen und sich dem Flow der Improvisation hingeben muss, ahnt man schon. Natürlich gibt es Gelegenheit, Bachs Hits in brasilianischen Farben leuchtend zu erleben. Im Originalsoundtrack swingen Air, Badinerie und vieles mehr im Samba-Rhythmus, aber es gibt auch überraschend puristische Originalklang-Tracks.

Bach In Brazil (Original Motion Picture Soundtrack)

Berlin Classics/Edel

Oliver Buslau, RONDO Ausgabe 2 / 2016



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