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Eine Elsa, keine Norma: Anna Netrebko (c) Kristian Schuller/DG

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Künstlerin statt Zicke

Als 2011 gemeldet wurde, dass Anna Netrebko 2016 erstmals in den Wagner-Ring steigen und die „Elsa“ im „Lohengrin“ singen werde, war das Staunen groß. Was ihre weitere Rollenplanung anging, empfand man damals ihre Entscheidung, sich bald live auch als Bellinis „Norma“ zu zeigen, dann doch als nachvollziehbarer. Normalerweise würde eine Sängerin vom Starkaliber einer Netrebko nun alles nach Masterplan abarbeiten. Erst also die „Elsa“ – am 19. Mai in Dresden mit Christian Thielemann am Pult. Und nicht nur zur kommenden Saisoneröffnung des Londoner Royal Opera House wollte Netrebko Bellinis Oberpriesterin in der Neuinszenierung des „Fura dels Baus“-Regisseurs Àlex Ollé geben. 2017/18 sollte sie dann auch als „Norma“ an der New Yorker MET auftrumpfen. Doch aus einem der beiden Rollen-Debüts wird nun nichts, doch geschmissen hat Netrebko nicht etwa ihren Ausflug ins Wagner-Fach. Nein, sie hat tatsächlich London und New York einen Korb gegeben!
Nun würden manche dahinter gleich an die Allüren einer Superdiva denken, der man in den beiden Opernmetropolen vielleicht nicht das gewünschte Catering garantieren wollte. Bei allem Glamour fallen die Ansprüche der Sopranistin zum Glück aber etwas anders aus. So hat sie die geplanten „Norma“-Produktionen aus stimmlichen Gründen (vorerst) abgesagt. „Als ich mit der Vorbereitung der Rolle begonnen habe, bin ich zum Schluss gekommen, dass sich meine Stimme in eine andere Richtung entwickelt hat“, so Netrebko. „Das war nicht vorhersehbar, als Dirigent Antonio Pappano vor vier Jahren die Oper geplant hatte. Ich fühle, ich muss mit mir selber ehrlich sein.“ Na, das nennt man wohl professionell. Denn sicherlich hätte Netbreko selbst mit halber Kraft die Höllenpartie der „Norma“ noch meisterlicher gestemmt als so manche Top-Kollegin. So müssen nun also die schwer enttäuschten Intendanten in New York und vor allem in London sich rasch nach entsprechendem Ersatz umschauen. Derweil fährt Netrebko in Dresden die Ernte ihrer Arbeit ein. Immerhin soll sie allein an ihrem Deutsch mächtig gepaukt haben. Die Russin nimmt eben nichts auf die leichte Schulter.

Guido Fischer



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