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Gesenkte Köpfe: Smartphones ändern unsere Haltung (c) flickr.com/esthervargasc

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Stehen Sie bitte gerade!

Es gibt tausend Tipps und Ratschläge zur optimalen Körperhaltung, die man beim Singen unbedingt beachten sollte. Und selbst die deutschen Krankenkassen haben sich dazu so ihre Gedanken gemacht bzw. für ein „gesundes“ Singen einen Profisänger und Stimmbildner darüber befragt, was denn nun die richtige Position ausmacht. „Der Rücken ist gerade und der Kopf auf der Wirbelsäule ausbalanciert, so, als würde man eine Krone tragen. Die Schultern sind entspannt, die Knie locker, die Füße stehen fest, aber unverkrampft auf dem Boden“, so Jürgen Möcke. Was sich plausibel liest, scheint aber immer mehr aus der Mode zu kommen. Dieser Meinung ist zumindest eine amerikanische Kollegin von Möcke.
Christianne Roll, ihres Zeichens Stimmbildnerin des Musical Theatre Program am Florida Southern College, hat in der Online-Ausgabe des Magazins „Musical Theatre Resources“ nämlich davon berichtet, wie sie ihre Studenten immer öfters an die grundlegenden Regeln erinnern muss, die ein Sänger beherzigen sollte. „Nimm die Schultern zurück“, „Steh gerade“ oder „Nimm die Ohren hinter die Schultern“ – mit diesen Anweisungen versucht Christianne Roll gegen einen Phänomen anzukämpfen, das immer mehr um sich greift. Es ist diese nach vorne gebeugte Haltung mit dem Blick nach unten, in der mittlerweile ein Großteil der zivilisierten Welt durch den Alltag rennt. Schuld daran ist das Smartphone, auf das man ständig runterschaut. Als „Text-Neck“ („Text-Nacken“) wird dieser unaufrechte Gang inzwischen sogar bezeichnet. Für Roll lauert dahinter aber noch eine andere Gefahr. Diese unablässige Runterstarren könnte tatsächlich grundsätzlich das Körpergefühl bei Sängern und Sängerinnen verändern und damit auch die Gesangsleistung. Bei aller Sorge hat sich jedoch rund um das Smartphone zugleich noch ein anderes Phänomen etabliert, mit dem man den „Text-Nacken“ ganz einfach mit Blickrichtung nach oben entlasten kann: Es ist die Selfie-Manie mit oder ohne Stick, auf die selbst Spitzensänger wie Anna Netrebko schwören.

Guido Fischer



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