Startseite · Konzert · Hausbesuch

(c) Visualisierung gmp Architekten

Kulturpalast Dresden

Musik im Herzen

Sachsens Landeshauptstadt rüstet kulturell auf. Nach neuen Bühnen im Kraftwerk Mitte wird am 28. April auch der renovierte Kulturpalast eröffnet.

Ja, wir meckern gern. Über nicht fertig werdende Megabaustellen, über den Bedeutungsverlust der Kultur zum Beispiel. Und dann muss man doch feststellen: In dieser Spielzeit eröffnet in Deutschland bald bereits die vierte Kulturstätte, seien sie nun renoviert oder gänzlich neu. Ende Oktober wurde das neue Musikforum Ruhr in Bochum eingeweiht, am 11. Januar folgte die Hamburger Elbphilharmonie, am 4. März der Boulez Saal in Berlin als Teil der Barenboim- Said Akademie.
Zudem hat sich Dresden Ende November gleich noch mit vier neuen Bühnen für zwei etablierte Theater beschenkt, denn das „theater der jungen generation“ und die Staatsoperette konnten in das ehemalige Kraftwerk Mitte umziehen. Und am 28. April ist auch der umgebaute Dresdner Kulturpalast als Heimstätte der Dresdner Philharmonie fertig. In München hingegen plant man einen neuen Konzertsaal, in Stuttgart denkt man darüber nach. Und vielleicht wird ja am 3. Oktober auch die neue Berliner Staatsoper Unter den Linden übergeben ...
Erstaunlich ist es schon, dass in Dresden, immerhin eine der traditionsreichsten Musikstädte des Landes, nach dem Krieg das Desiderat nach einem eigenen Konzertsaal nie sonderlich groß war. Die Staatskapelle spielt wie stets in der Semperoper, was nicht ganz optimal ist. Die Dresdner Philharmonie ist seit 1969 im Mehrzwecksaal des Kulturpalastes am Altmarkt beheimatet. Das war nicht immer so.
Am 29. November 1870 wurde im Gewerbehaus an der Ostra-Allee ein Veranstaltungssaal mit 2057 Sitzplätzen eröffnet, ein Jahr später gründete der Gewerbeverein die Gewerbehaus-Kapelle. 1915 wurde der Name in Dresdner Philharmonisches Orchester, 1923 in Dresdner Philharmonie geändert. Nach dem Krieg prägte besonders Kurt Masur ab 1955 das Orchester, von 1967 bis 1972 wirkte er als Chefdirigent. Es folgten Jörg-Peter Weigle, Rafael Frühbeck de Burgos und seit 2011 Michael Sanderling.
Seit Sommer 2012 war der als Monument der DDR-Moderne unter Denkmalschutz stehende Kulturpalast, auch nur „Palast“ oder „Kulti“ genannt, geschlossen. Denn nach langer Diskussion hatte man sich entschlossen, diesen nicht mehr als multifunktionale Stadthalle zu verwenden, sondern für kulturelle Nutzung zu optimieren. So werden hier die Zentralbibliothek und das Kabarett „Die Herkuleskeule“ eine Heimstatt finden. Es wird als Haus der Künste und des Wissens, der Begegnung und Kommunikation fast rund um die Uhr offen sein.
Statt der bronzenen Dämmungsfenster kann man jetzt klarsichtig nach draußen und drinnen blicken, das 30 mal 10 Meter große Wandbild „Der Weg der roten Fahne“ an der Westseite wurde aufgefrischt. Den großen Saal haben die Architekten gmp – von Gerkan, Mark und Partner geschickt in die alte Hülle und ihre Foyers eingepasst, auf 1800 Plätze verkleinert und nach dem Prinzip der Weinbergterrassen neugestaltet. So bekommt mit der Dresdner Philharmonie die Musik im Herzen der Stadt endlich wieder einen Spielort mit angemessener Akustik, die in Absprache zwischen Orchester und dem Akustikbüro Peutz geplant wurde. Sie soll den „Dresdner Klang“, einen tiefenbetonten, warmen Streichersound, zum „Leuchten“ bringen. Die weitgehend spendenfinanzierte Konzertorgel von Eule in Bautzen wird am 8. September 2017 eingeweiht.

www.dresdnerphilharmonie.de
www.kulturpalast-dresden.de

Matthias Siehler, RONDO Ausgabe 2 / 2017



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Hausbesuch

Salzburger Osterfestspiele

Brünnhilde, wach auf!

Nicht Rekonstruktion, sondern Re-Kreation: An der Salzach lässt man zum 50. Jubiläum die […]
zum Artikel »

Gefragt

Elisabeth Leonskaja

Schubert von Welt

Der Pianistin gelingt eine Schubert-Offenbarung. Ihr CD-Set, eine Lebenssumme, ist so reich […]
zum Artikel »




Top