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(c) Robbie Lawrence

Rheingau Musik Festival

Ein Sommer voller Musik

Zum 30. Mal bespielen (nicht nur) Klassikstars die Region von Wiesbaden bis Rüdesheim. Für den runden Festival- Geburtstag hat sich Intendant Michael Herrmann etwas Besonderes einfallen lassen.

Anfang Zwanzig war Michael Herrmann, als er erstmals in das kleine Dorf Prades in den französischen Pyrenäen pilgerte, um große Klassik-Luft zu schnuppern. Hier hatte nämlich der legendäre Cellist Pablo Casals 1956 ein Musikfestival ins Leben gerufen, bei dem man in den Sommermonaten Berühmtheiten wie Pianist Rudolf Serkin und Violinist Isaac Stern erleben konnte. 1964 verschlug es dann Herrmann zum ersten Mal nach Prades. Und „ich fand die ganze Atmosphäre und auch das musikalische Erlebnis so hervorragend, dass ich mir gedacht habe: So etwas möchte ich auch machen!“, so Herrmann in seiner Rückschau. „Es war damals nur ein Wunsch, aber mit diesem Gedanken bin ich jahrelang schwanger gegangen. Die Grundidee war, ein Festival im Rheingau und in Wiesbaden zu veranstalten. Diese Vision konnte ich 24 Jahre später endlich Wirklichkeit werden lassen.“ 1988 wurde das Rheingau Musik Festival aus der Taufe gehoben. Und wenngleich die erste Ausgabe mit ihren 19 Konzerten noch ein dickes Minus einfuhr, ließ sich Herrmann davon nicht beirren. Zu Recht! Denn inzwischen bespielt man längst – und vor allem mit Gewinn fürs Publikum – Sommer für Sommer mit rund 150 Konzerten eine traumhaft schöne Region, aus der nicht nur weltweit begehrte Riesling-Weine kommen. Von Herrmanns Geburtsstadt Wiesbaden über Eltville und Rüdesheim bis Lorch tut sich mit ihren Kirchen, Schlössern und Burgen eine architektonische Kulturlandschaft auf, die geradezu prädestiniert ist für Klassik-, aber auch für Jazz- und Weltmusikkonzerte aller Art. Und welchen Ruf das Rheingau Musik Festival genießt, lässt sich regelmäßig allein auf den Run der Konzertkarten ablesen. So waren schon kurz nach Bekanntgabe des Programms zur diesjährigen Jubiläumssaison von den insgesamt 124.000 Karten für die 155 Veranstaltungen bereits über 25.000 verkauft.
Das musikalische Personal, das für die 30. Ausgabe eingeladen wurde, kann sich aber auch wieder hören lassen. Da reicht der klassische Bogen von Christoph Eschenbach über Grigory Sokolov und Christian Gerhaher bis hin zu Janine Jansen und Maurice Steger. Und einmal mehr hat der um die Ecke in Kiedrich lebende Countergott Andreas Scholl die kürzeste Anreise. Im Jazz-Bereich gibt sich hingegen neben Dee Dee Bridgewater und Thomas Quasthoff auch Pianist Michael Wollny die Ehre, dem neben den beiden klassischen Shootings- Stars Igor Levit und Anna Lucia Richter auch je ein mehrteiliges Konzertprojekt gewidmet ist.
Aus diesem beachtlichen Konzertreigen ragt aber ein vierteiliges Projekt heraus, mit dem sich Festivalgründer und Intendant Herrmann quasi auch ein wenig selbst beschenkt. Es ist die Reihe „Erinnerungen an Prades“, bei der erstklassige Musiker wie die Capuçon-Brüder und die Tetzlaff-Geschwister Duo- und Trioprogramme spielen, die in den sechziger Jahren auf Casals´ Festival zu hören gewesen sind. Die Schirmherrschaft für diese Kammermusikreihe hat übrigens keine Geringere als Marta Casals Istomin übernommen. „Auf diese Weise“, so die Witwe von Pablo Casals, „werden Erinnerungen an sein musikalisches Wirken und die Ideale von Freiheit und Frieden lebendig, für die er sein Leben lang gearbeitet hat.“


30. Rheingau Musik Festival

24. Juni – 2. September
rheingau-musik-festival.de
Tickets: +49 (0 67) 23 60 21 70


Reinhard Lemelle, RONDO Ausgabe 3 / 2017



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