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In der Politik angekommen: Gustavo Dudamel (c) Vern Evans/DG

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„Heart-breaking cancellation of our 4-city NYOV US tour” – mit dieser Twitter-Zeile hat Gustavo Dudamel gerade auf eine Entscheidung reagiert, mit der der venezolanische Präsident Nicolás Maduro einmal mehr seinem Ruf als wenig zimperlicher Potentat gerecht geworden ist. Maduro hat nämlich kurzerhand dem weltberühmten Dirigenten und Sohn des Landes untersagt, mit dessen weltweit nicht weniger bekanntem Símon-Bolívar-Jugendorchester auf eine geplante Vier-Städte-Tournee durch die USA zu gehen. Der Grund: Gustavo Dudamel hatte es entgegen seiner bisherigen kritiklosen Haltung gegenüber dem sozialistischen Regime in letzter Zeit offensiv gewagt, sich gegen die Politik Maduros zu positionieren. Als etwa im Mai der 17 Jahre alte Bratschist Armando Cañizales bei einer Demonstration getötet wurde, forderte Dudamel Maduro auf, „den gerechten Schrei des Volkes, das von einer unerträglichen Krise erstickt wird, nicht länger zu ignorieren“. Und im Juli legte Dudamel im Vorfeld einer geplanten Entmachtung des Parlaments in einem Beitrag in der „New York Times“ und in der spanischen Zeitung „El País“ nach. So betrachte er es als seine „Pflicht als venezolanischer Bürger, meine Stimme zu erheben gegen die verfassungswidrige Entmachtung staatlicher Institutionen.“ Mitte des Monats wurde dieser Schritt vollzogen – und Maduro machte sich danach über den Stardirigenten mit den Worten lustig: „Willkommen in der Politik, Gustavo Dudamel!“ In welches Wespennest der ansonsten als Sunnyboy gefeierte Dudamel aber mit seiner Kritik gestochen hatte, sollte er kurz darauf zu spüren bekommen, dank eben Maduros Direktive, das staatliche Jugendorchester unter der Leitung ihres Chefdirigenten nicht in amerikanisches Feindesland aufbrechen zu lassen. Geplant waren Auftritte vom 9. bis 21. September u.a. in Virginia, Chicago sowie in der Hollywood Bowl bei Los Angeles.
Bereits als 18-Jähriger wurde Dudamel 1999 an die Spitze des Orchesters gewählt, in dem er auch seine allerersten musikalischen Schritte gemacht hatte. Mindestens einmal im Jahr kehrt er somit zu seinen Wurzeln, nach Caracas zurück, und erarbeitet mit dem Orchester regelmäßig gewaltige Repertoire-Brocken von Beethoven bis Mahler. Aber auch wenn man jetzt nicht seine Klasse in den USA unter Beweis stellen kann, garantiert Dudamel: „Wir werden weiter für ein besseres Venezuela und eine bessere Welt spielen und kämpfen.“

Guido Fischer



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