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Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Wagner-Sopranistin Nina Stemme hatte ursprünglich „eine Riesen-Angst“ vor dem Wagner- Repertoire. „Ich hatte mir selbst geschworen, immer mit dem zufrieden zu sein, was ich ohne zu übertreiben fast von selbst erreichen kann“, sagte sie im schwedischen Örebro. „Wagner-Sängerinnen müssen sehr laut singen können, um sich gegenüber dem Orchester zu behaupten. Ich habe viele Sängerinnen erlebt, die an dieser Aufgabe auf Dauer gescheitert sind.“ Vor den vielen Wagner-Vorstellungen im Jubiläums-Jahr fürchte sie sich durchaus ein bisschen. „Das erste halbe Jahr 2013 besteht für mich fast nur aus Wagner- Vorstellungen.“ Vor jeder Aufführung esse sie „eine Riesenportion Pasta!“ Das sei „die italienische Voraussetzung für die dann folgende Wagner-Interpretation.“ Die italienische Oper sei die „beste Wagner-Schule“.
Der verschuldete Komponist Peter Maxwell Davies (78) geht juristisch gegen seinen Lebenspartner Colin Parkinson vor. Er will ihn zwingen, aus dem gemeinsamen Haus auf den Orkney Inseln auszuziehen. Maxwell Davies war bereits vor Jahren in finanzielle Schwierigkeiten geraten, nachdem eine höhere Summe Geldes von einem seiner engsten Mitarbeiter veruntreut worden war.
Nach antijapanischen Unruhen in China im sogenannten „Insel-Konflikt“ hat der Pianist Yundi Li seine Tournee nach Japan abgesagt.
Solo-Oboist François Leleux hält den Aufschwung seines Instruments in den letzten Jahren für ein Missverständnis. „Die Oboe ist schon lange ein sehr erfolgreiches Instrument“, sagte er zuhause im französischen Chantilly. „In den 80er Jahren gab es gleichzeitig Hansjörg Schellenberger, Douglas Boyd und Heinz Holliger. Alle drei besaßen große Schallplattenverträge.“ Der Oboenton sei von Haus aus nicht unbedingt schön, sondern „vor allem sehr durchdringend, man muss ihn also dosieren können.“ Leise zu spielen sei die hohe Schule des Oboenspiels. „Wer leise spielt, ist gut.“ Der 41-Jährige ist privat mit der Geigerin Lisa Batiashvili verheiratet. Sie sei sein „Lebenslikör“. Er verbinde Karriere und Familie (mit zwei Kindern) nach der Maxime: Family first! „Die Familie darf nicht leiden.“
Nach der beschlossenen Fusion des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg mit dem RSO Stuttgart schrumpft die deutsche Orchesterlandschaft stärker denn je. Bei der ersten Erfassung 1992, so die Deutsche Orchestervereinigung (DOB), gab es noch 168 professionelle Klangkörper. Seitdem sind 38 Orchester abgewickelt worden. Den Politikern sei nicht bewusst, dass sie mit ihrem Handeln „ein weltweit bewundertes Kulturerbe Stück für Stück weiter demontieren“.
Tenor Roberto Alagna hat mehrere Engagements angeblich wegen einer Larynx-Mykose abgesagt: einer Pilzinfektion des Kehlkopfes, die im Anschluss an eine Zahnbehandlung auftrat.
Der neue Chef des Konzerthausorchesters Berlin, Iván Fischer, hält „Klang“ für gefährlich. „Klang ist ein verführerischer Teufel“, sagte er in Berlin. Die Suche danach berge die Gefahr, Ausdruck und Inhalte der Musik zu vernachlässigen. Ob ein Orchester Arroganz und Eitelkeit zeige, höre er im ersten Augenblick. „Man ist ein Ziegelstein im Gebäude“, relativierte er die Rolle des Dirigenten. Darin sieht er auch das Spezifische der jüdisch-ungarischen Dirigenten-Tradition. „Die assimilierten Juden in Ungarn übertrugen den Geist ihrer Religion auf die Musik – in Form von Hingabe und Devotion.“ Früher habe man den Talmud studiert, nunmehr musikalische Partituren. Die nötige Bescheidenheit eines Dirigenten müsse man hören können. „Die Orchester“, so kritisierte Fischer, „sind heute fast alle zu laut“.

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 5 / 2012



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