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Daniel Hope

Auf den Spuren eines Stargeigers

Für „Der Klang des Lebens“ wurde der Violinist ein Jahr lang von der Filmkamera begleitet. Herausgekommen ist mehr als das Porträt eines außergewöhnlichen Musikers.

Nein, Langeweile kennt Daniel Hope nicht. Im Gegenteil. Er ist nicht nur der hyperaktivste Musiker der Gegenwart. Hope sprudelt nur so über vor Ideen, mit denen er ebenso Klassik-Novizen infizieren wie den erfahrenen Klassik-Konsumenten aus dem Repertoire-Trott holen will. Von Hopes unbändiger Neugier und Entdeckerlust erzählen seine unzähligen Konzertprojekte und CDAufnahmen. Darüber hinaus ist er ein äußerst charismatischer Radiomoderator und erfolgreicher Buchautor. Zu seinen Bestsellern gehört aber nicht nur der Klassikratgeber „Wann darf ich klatschen?“; besonders berührend fiel seine Autobiografie „Familienstücke“ aus. Darin erzählt er die lange und wechselhafte Familiengeschichte, welche auch von Vertreibungen und Emigration geprägt gewesen ist. Vor zehn Jahren kam das Buch heraus, seitdem ist im Leben des sympathischen, weil stets unkomplizierten Stargeigers natürlich allerhand passiert. Mit der Familie ist er inzwischen von Wien nach Berlin gezogen, und seit 2016 ist er Leiter des Zürcher Kammerorchesters.
In diesem Jahr entstand zudem auch ein abendfüllendes Filmporträt über Hope, das im Oktober in die Kinos kommt. „Der Klang des Lebens“ lässt noch einmal den bisherigen Weg des Künstlers und Menschen Hope Revue passieren. Natürlich nehmen dabei auch Stationen und Kapitel einen wichtigen Teil ein, über die der 44-Jährige bereits oft und ausführlich Auskunft gegeben hat. Wie etwa über die Kindheit, die in Südafrika ihren Anfang nahm, bevor die gesamte Familie vor dem Apartheid- System nach London floh, wo Hopes Mutter die Sekretärin vom legendären Geiger Yehudi Menuhin wurde. „Das Bewerbungsgespräch dauerte fünf Minuten“, erzählt sie nun auch in dem Film. Und selbstverständlich erfährt man viel über das Verhältnis zwischen Menuhin und seinem blutjungen Schüler Daniel. „Er konnte wie ein Schwamm alles aufsaugen, was mein Vater sagte“, so Zamira Menuhin, die Tochter Yehudis.
Für den „Klang des Lebens“ hat Regisseur Nahuel Lopez aber nicht nur Familienmitglieder interviewt. Weitere, enorm prägende Musikerlegenden wie der Geiger Zakhar Bron sowie Pianist Menahem Pressler erinnern sich an ihre ersten Begegnungen mit Hope – und aus denen längst enge, herzliche Freundschaften entstanden sind. Mit der Kamera begleitete Lopez Hope aber auch beim stressigen Tour-Alltag rund um die halbe Welt. Und zwischendurch dürfen natürlich auch private Filmchen vom kleinen Hope aus dem Familienarchiv nicht fehlen. Dass „Der Klang des Lebens“ jedoch so gar nichts mit filmischer Lobhudelei zu tun hat, die Klassik-Stars sonst gern auf den Leib gedreht wird, verdeutlicht sich vor allem dann, wenn es um die in der Familie Hope allgegenwärtigen Themen wie Flucht und Vertreibung geht. Und wenn Daniel Hope etwa gezeigt wird, wie er das von ihm gerettete Grabmal seines jüdischen Urgroßvaters auf dem Berliner Luisenfriedhof mit nur wenigen Gesten etwas säubert, gehört dies mit zu den bewegendsten Szenen des Films.


„Daniel Hope – Der Klang des Lebens“

Kinostart: 19. Oktober


Guido Fischer, RONDO Ausgabe 5 / 2017



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