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Hier gilt's der Kunst: Präsidentin Helga Rabl-Stadler und Intendant Markus Hinterhäuser © Salzburger Festspiele / Franz Neumayr

Pasticcio

Mit Passion und Leidenschaft

Was macht ein Festspiel-Intendant, wenn er nicht gerade mit Top-Künstlern verhandelt oder sich in aller Welt Inspirationen für eigene Produktionen und Projekte anschaut? Er geht seiner eigentlichen ersten Passion nach, dem Klavier. Und wie im Fall von Markus Hinterhäuser kann es dann sogar schon mal passieren, dass der Festival-Chef musikalisch höchstpersönlich ins Geschehen bzw. Programm eingreift. Für die kommende Ausgabe der Salzburger Sommerfestspiele hat sich Hinterhäuser aber nicht für Werke des Lokalmatadors Mozarts entschieden, sondern für Galina Ustwolskaja. Schließlich hat er am Schaffen der russischen Komponistin und einstigen Schostakowitsch-Schülerin einen regelrechten Narren gefressen und sich für sie maßstäbesetzend auch auf CD eingesetzt. „Zeit mit Ustwolskaja“ lautet denn nun ein Konzertschwerpunkt, bei dem Hinterhäuser von der Geehrten Klaviersonaten oder mit Geigerin Patricia Kopatchinskaja Kammermusikalisches spielt.
Solche musikalisch nicht gerade alltäglichen Wege schlägt Hinterhäuser unter anderem also 2018 wieder ein. So wie er es bereits in seiner diesjährigen Debüt-Saison als Intendant dieses so traditionsreichen Festivals getan hat, das in seiner langen Geschichte immer wieder mal zur gemütlichen Hochkultur-Sause verkommen war. Nun weht dafür ultrafrischer Wind durch Salzburgs Gassen und Säle. Dass Hinterhäuser bereits mit seiner ersten Saison das Publikum nicht etwa abgeschreckt, sondern reichlich angelockt hatte, konnte das Leitungsteam kurz vor Ende des Festivals 2017 verkünden: Bei einem Budget von 61,7 Millionen Euro wurden 29,9 Millionen Euro an Bruttoeinnahmen erwirtschaftet und damit einen Überschuss von 1,6 Millionen Euro netto erzielt. Und die Platzauslastung betrug 97 Prozent, also sogar um ein Prozent höher als im Rekordjahr 2016. Diese Erfolgsmeldungen will man natürlich auch im nächsten Jahr weiterschreiben, das mit einem leicht reduzierten Gesamtbudget von 60,81 Millionen Euro vom 20. Juli bis 30. August wieder in die Vollen geht. Und obwohl schon vorher feststand, dass es keine Wiederaufnahme von Verdis „Aida“ mit Anna Netrebko geben wird, kommt der Opernfan dennoch auf seine Kosten. Acht Opernproduktionen sind geplant, dafür fünf Neuinszenierungen. Darunter findet sich eine neue „Zauberflöte“ (Regie: Lydia Steier), Monteverdis „L`incoronazione di Poppea“ mit Regisseur Jan Lauwers und Alte Musik-Maestro William Christie. Außerdem dirigiert Kent Nagano Henzes „Die Bassariden“. Passend zum eigentlichen zeitlosen Themenschwerpunkt „Passion, Ekstase und Leidenschaft“ kommt es zudem in der Reihe „Ouverture Spirituelle“ zu einer Aufführung der „Lukaspassion“ des polnischen Altmeisters Krzysztof Penderecki, der 2018 seinen 85. Geburtstag feiert.
Neben solchen aufwendigen Produktionen kommt es aber auch sinfonisch zu so manchen Coups. Klar, die Gastspiele der Berliner Philharmoniker und des London Symphony Orchestra mit ihren jeweils neuen Chefs Kirill Petrenko und Simon Rattle lassen schon allein auf dem Papier die Herzen höher schlagen. Richtig neugierig wird man aber auf das Gastspiel von Teodor Currentzis, der mit seinem Orchester musicAeterna alle Neune von Beethoven - einem Tsunami gleich - gegen den Strich putzen wird (www.salzburgerfestspiele.at).

Guido Fischer



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