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(c) Steven Haberland

Felix Klieser

Russisches Halbdämmer, bayerisches Licht

Am härtesten hat der Hornist Felix Klieser am Klang gefeilt: „Hornisten haben die besondere Möglichkeit, mit der Hand in der Stürze die Tongebung zu verändern, den Klang weicher zu machen. Als Berufsmusiker gibt es da keine Wahlmöglichkeit, entweder Du beherrschst das, oder nicht.“
Mit 22 Jahren sorgt Klieser gerade für viel Aufhorchen mit seinem Debüt-Album, das die Werke deutscher, französischer und russischer Romantik für Horn und Klavier vereint. Werke, die genau auf dem Schnittpunkt der Instrumentenentwicklung liegen, vom Naturton- zum chromatischen Orchesterinstrument. So zum Beispiel das Adagio und Allegro op. 70, das Robert Schumann in der Horn-fernen Tonart As-Dur setzte: „Das Ventilhorn wurde um 1815 erfunden. Während viele seiner Zeitgenossen wie Brahms es ablehnten, war Schumann fasziniert von den Vorzügen, dass man alle Töne in gleicher Qualität spielen konnte. Das Adagio und Allegro schrieb er als Bewerbungsschreiben für das neue Instrument.“ Und das gab den Hornisten auf bis dato ungeahnte Weise die Kontrolle über die Farbe und Intonation ihrer Töne und machte das raue Instrument des Waldes salonfähig.
Seine weiche, direkte Tongebung inspiriert Komponisten wie Alexander Glazunov und Reinhold Glière zum Ausdruck wehmütiger, zwielichtiger Stimmungen. „Dieser Musik fehlt immer etwas an Hoffnung, selbst bei Höhepunkten bleibt eine gewisse Tristesse, die nie verschwindet“, so Klieser. Ganz andere, urkräftig bayerische Energie, strahlen hingegen die beiden Strauss-Romanzen aus, bei ihnen führt der Weg noch aus jeder Dunkelheit zurück zum Licht, das Saloninstrument zurück zum Jubel der Post- und Jagdsignale.
Hornist wollte Klieser schon mit 4 Jahren werden, die ratlosen (Nichtmusiker-)Eltern brachten den insistierenden Jungen schließlich zu einer Musikschule. Seitdem hat er sich eine stupende Virtuosität zugelegt und wie gesagt mehr als andere am Klang gefeilt. Denn die angesprochenen Klangfarbenunterschiede lösen alle Hornsolisten immer auch mithilfe der Hand in der Stürze. Doch Felix Klieser ist ohne Arme auf die Welt gekommen. Er hat gelernt, das Instrument mit den Füßen zu spielen, und – was die Hände nicht können – in Perfektion mit den Lippen auszugleichen.

Schumann, Strauss, Glière u.a.

Rêveries“

Felix Klieser, Christof Keymer

Berlin Classics/Edel

Carsten Hinrichs, RONDO Ausgabe 4 / 2013



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