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Neue Gesichter

Singende Archäologin

Eigentlich wollte sie ja Archäologin werden, doch dann kam alles ganz anders. Im schönen Norwich erblickte Elizabeth Watts 1979 das Licht der Welt und machte in der dortigen Kathedrale als Chorsängerin erste Bekanntschaft mit klassischer Musik. Doch das Singen zum Beruf zu machen, konnte sie sich erst einmal nicht vorstellen. Und so zog sie denn gen Norden (nach Sheffield in Yorkshire, um genau zu sein), um ihren ursprünglichen Berufswunsch in die Tat umzusetzen und Archäologie zu studieren. Schließlich wurde ihr jedoch klar, dass ihre Sopranstimme gehört werden wollte, und machte sich auf den Weg in die Hauptstadt. Dort schrieb sie sich am Royal College of Music ein und gewann 2006 den prestigeträchtigen Kathleen Ferrier Prize. Als sie im Jahr darauf auch den noch prestigeträchtigeren Cardiff Singer of the World Wettbewerb für sich entschied, war es klar, dass sie die richtige Wahl getroffen hatte. Nach einer Debüt-CD mit Schubert-Liedern unterschrieb sie einen Plattenvertrag mit harmonia mundi, als deren erste Frucht dieser Tage eine Aufnahme mit Arien und Kantaten von Johann Sebastian Bach erscheint.

Mit den Ohren sehen

Als er im Juni 2009 die Goldmedaille des Van Cliburn International Piano Competition gewann, war die Sensation perfekt. Schon in den verschiedenen Vor- und Zwischenrunden des Wettbewerbs verblüffte Nobuyuki Tsujii Zuhörer wie Jurymitglieder. Auch im Internet verfolgten immer mehr Klassikfreunde die Ereignisse. Und so schien es nur natürlich, dass dieser erst 20-jährige Japaner das Rennen für sich entschied. Schließlich hatte er schon rund zehn Jahre zuvor sein erstes Orchesterkonzert absolviert, womit er fast schon so etwas wie ein alter Hase war. Das Time Magazine attestierte ein allgemeines »Nobu Fever«. Die Begeisterung für den jungen Pianisten war deshalb so grenzenlos, weil er von Geburt an blind ist. Die Werke erarbeitet er sich nach Gehör und mit Hilfe einer Art Noten-Braille. Bereits ein Jahr vor seinem spektakulären Sieg in Fort Worth nahm er mit dem DSO Berlin Rachmaninoffs zweites Klavierkonzert auf, das Challenge jetzt zusammen mit einigen Liszt-Solostücken herausbringt.

Die Fremdgeher

Mit der Monogamie ist seit kurzem erst einmal Schluss. Eine Hälfte des gefeierten Cuarteto Casals, der Geiger Abel Tomàs und sein Cello spielender Bruder Arnau, hat sich mit der Pianistin Hyo-Sun Lim zum Ludwig Trio zusammengeschlossen. Auch die Koreanerin ist keine Unbekannte, hat sie doch zahlreiche Wettbewerbe gewonnen und Hilary Hahn auf einer vielbeachteten Asien-Tournee am Klavier begleitet. Im März 2009 war es soweit, das frisch gegründete Ensemble trat zum ersten Mal gemeinsam auf – und nicht irgendwo, nein, eine erste Adresse durfte es sein: das Auditori in Barcelona. Die Kritiker zeigten sich von Anfang an begeistert, und so war es nur folgerichtig, die drei Musiker auch ins Aufnahmestudio zu bitten. Kaum zwei Jahre nach ihrem ersten Konzert liegt nun ihre erste Einspielung beim spanischen Label Aglae Música mit zwei Klaviertrios ihres Namenspatrons vor. Und wie es sich für ein Debütalbum ziemt, ist mit Opus 1 Nr. 1 auch Beethovens Debüt als Komponist darauf zu hören.

Michael Blümke, RONDO Ausgabe 1 / 2011



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