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(c) Josef Gallauer

Diana Damrau

Knallbunte Tüte

Mit „Forever“ kehrt die Damrau zu ihren Musical-Wurzeln zurück. Eine solch gewagte Mischung hätte sich nicht mal die Rothenberger getraut.

Das kommt von meinem Vater“, lacht Diana Damrau und meint damit die Frohnatur, mit der ihre neue CD überschüttet scheint. „Mein Album ‚Forever’“, sagt sie über die Melange aus Strauß, Kálmán, Loewe, Lloyd Webber und „Mary Poppins“, „soll nichts bieten außer schönen Melodien.“ Ein Grundsatz, mit dem schon Anneliese Rothenberger ihre Programme machte. Nur war selbst diese Haarspray- Lady von einst nicht so verwegen, neben großer Operette auch Musical und sogar Filmmusik auf eine einzige Platte zu pressen. Wem wäre so ein Spagat je zuvor gelungen? „Hm, weiß ich auch nicht“, sinniert Diana Damrau und wird richtig ernst. „Ich nehm’s als Kompliment!“ Und lacht schon wieder.
Die gute Laune hatte bei ihr von jeher eine bayerisch pragmatische Seite. „Eine positive Einstellung ist auf alle Fälle besser“, sagt die geborene Günzburgerin. „Man kriegt einen Schnupfen, wenn man sagt, ich hab’ die Nase voll.“ Nicht mit ihr. Und da sie ihr Bühnen-Debüt 1986 mit Szenen aus „My Fair Lady“ in den Donaulichtspielen Offingen gab, worauf etliche Adelen („Fledermaus“) und Valenciennes („Lustige Witwe“) im Mainfranken Theater Würzburg folgten, kann Diana Damrau mit Fug und Recht als eine in der Provinz groß gewordene Operetten-Soubrette gelten.
Wobei es nicht blieb. Denn inzwischen bevorzugt Damrau für neue Rollen wie Traviata, Lucia di Lammermoor oder Sonnambula ganz große Hütten, wie die Metropolitan Opera in New York. „Verstecken kann ich mich sowieso nicht mehr. Überall filmen oder schneiden die Leute mit Handys die Auftritte mit.“ Lieber gleich ins kalte Wasser. Selbst unser Interview findet am Mittag direkt vor einer Aufführung von „A Harlot’s Progress“ am Theater an der Wien statt. Das würde kaum eine andere Sängerin machen, die am selben Abend mehrere Stunden ununterbrochen auf der Bühne stehen muss. Das atonale Werk wurde für Damrau komponiert. „Es ist Neo- Verismo, aber das habe ich noch niemandem gesagt“, plaudert sie, indem sie ihren Mann, Bassbariton Nicolas Testé, nachhause zu den beiden Kindern schickt.
Ihr „Durchbruch“, sagt die Sängerin, sei mit dem folgenden Satz erfolgt, den der damalige Wiener Staatsoperndirektor Ioan Holender zu ihr sagte: „Damrau’chen, du wirst an der Scala singen! Eben hast du Riccardo Muti vorgesungen!“ So geschehen 2002 bei einer Vorstellung des „Riesen vom Steinfeld“ von Friedrich Cerha, wo Diana Damrau mitwirkte. Die Prophezeiung Holenders hat sich erfüllt. Nach einigen Jahren in Wien und einer letzten, festen Ensemble-Station in Genf lebt Damrau mittlerweile in Zürich.
Mit ihrer vielfach bejubelten „Forever“-CD kehrt Diana Damrau zu ihren leicht luftigen Wurzeln zurück. Nicht mit allen ihren bisherigen CDs hatte sie Glück. „Ich weiß auch nicht, warum meine Stimme eher schwer aufzunehmen ist.“ Bei ihrer „Coloraturas“-CD, klagt sie, war sie die meiste Zeit krank. „Meine beste Platte bisher war die Strauss-CD mit Christian Thielemann.“ (Eine Fortsetzung ist geplant.) Auch die knallbunte Tüte von „Forever“ rangiert ganz oben. Für immer.

"Forever"

Diana Damrau, David Charles Abell, Royal Liverpool Philharmonic Orchestra

Erato/Warner

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 6 / 2013



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