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Das Orchester zur Zeit des Dritten Reichs (c) Wiener Philharmoniker

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Spät, aber nicht zu spät

Ihre nicht gerade rühmliche Rolle während des Nationalsozialismus haben die Wiener Philharmoniker nie richtig aufgearbeitet. Erst 2011 kam der Stein vorsichtig ins Rollen, als der Schweizer Historiker Franz Trümpi mit seinem Buch „Politisierte Orchester“ auch Einblicke in die dunklen Archive und Kanäle der Donau-Philharmoniker gab. Mittlerweile ist Trümpi Teil eines vom Orchester beauftragten Historikerteams, das intensiv die Schatten der NS-Vergangenheit untersuchen soll. Und schon im Oktober 2013 hatte das Orchester auf die neuesten Recherchen reagiert. So entschied man, hochrangigen NS-Politikern wie den Wiener Reichsstatthaltern Gauleiter Baldur von Schirach und Arthur Seyss-Inquart endlich die philharmonischen Auszeichnungen abzuerkennen. Dazu zählten die Nicolai-Medaille sowie der Ehrenring, der Schirach nach seiner Haftentlassung 1966 sogar in Form eines Duplikats ein zweites Mal verliehen wurde.
So überfällig diese Aberkennungen war – die Öffentlichkeit wurde darüber merkwürdigerweise nicht umgehend informiert. Erst kurz vor Weihnachten sickerten Informationen über den symbolisch wichtigen Akt durch – was etwa den Grünen-Politiker Harald Walser einigermaßen irritierte. Er empfindet diese „Geheimaktion“ als einen „unwürdigen Umgang mit dem heikelsten Abschnitt der Orchestergeschichte“. Walser ist es übrigens auch, der die Diskussion um das philharmonische Heiligtum, das traditionelle „Neujahrskonzert“ erst ausgelöst hat. Und Franz Trümpi und seinen Kollegen haben auch da inzwischen herausgefunden, dass „das Konzert seine Wurzeln im Nationalsozialismus“ hat. Pikanterweise dirigierte gerade Daniel Barenboim im Neujahrskonzert 2014 auch die „Mondscheinmusik“ aus „Capriccio“ von Wendehals Richard Strauss. Denn hätte er etwas intensiver in die Entstehungsgeschichte von Strauss´ letzter Oper geschaut, wäre ihm aufgefallen, dass die „Capriccio“-Introduktion erstmals am 6. Mai 1942 in Wien gespielt wurde – im Haus von Baldur von Schirach.

Guido Fischer



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