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Neuerscheinungen auf CD

Der General und sein Admiral

In Terry Kings Biografie über Gregor Piatigorsky gibt es einen etwas anderen Schnappschuss einer prominenten Männerfreundschaft: Im legeren Sommer-Outfit amüsieren sich da der große Cellist Piatigorsky und der um einen Kopf kleinere Jahrhundertgeiger Jascha Heifetz am Strand von Malibu köstlich. 50 Jahre waren diese beiden Musiker ein Herz und Seele. Privat und selbstverständlich künstlerisch, wie die gemeinsamen, jetzt erstmals komplett veröffentlichten Aufnahmen zeigen. Der Titel der CD-Box „The Heifetz-Piatigorsky Concerts“ ist dabei leicht irreführend. Denn bevor die beiden Musiker erst ab 1961 damit auch die gleichnamige Schallplattenreihe einläuteten, hatten sie sich schon 1949 mit Artur Rubinstein zum berühmten „One Dollar-Trio“ zusammengetan. Ihre gemeinsamen Trio-Aufnahmen von Ravel, Mendelssohn und Tschaikowski fehlen nun genauso wenig wie das Aufeinandertreffen von Heifetz und Piatigorsky etwa im Doppelkonzert von Brahms (1960). Als festes „666.666-Dollar-Duo“ gab man sodann ein Jahr später sein „Heifetz-Piatigorsky Concert“-Debüt und baute sich bis 1972 auch mit Partnern wie Bratscher William Primrose ein riesiges Repertoire auf. Unter den 30 Kompositionen, die man zwischen 1961 und 1968 in erlesenster Form einspielte, finden sich neben Beethoven, Schubert und Brahms zahlreiche Duo-Raritäten sowie sogar Spohrs Doppelstreichquartett. Piatigorsky hat seinen besten Freund einmal als General und Heifetz ihn im Gegenzug als Admiral bezeichnet. Dabei waren sie als Musiker doch stets vollkommen gleichrangig. Guido Fischer

Gerat British Hero!

Gerade mal 36 Jahre alte wurde Henry Purcell, als er in der Nacht zum 21. November 1695 verstarb. Todesursache war wahrscheinlich: die Tuberkulose. Doch wie etwa im Fall der gleichermaßen allzu früh verstorbenen Kollegen Mozart und Schubert hinterließ Purcell ein umfangreiches Werk, für das so manch anderer zwei Leben benötigt hätte. Stolze 860 Kompositionen führt das vom amerikanischen Musikwissenschaftler Franklin B. Zimmermann angelegte Purcell-Verzeichnis. Und was hat der als „Orpheus Britannicus“ gefeierte Purcell nicht alles an Meisterwerken komponiert. Seine Semi-Operas „The Fairy Queen“ und „King Arthur“ zählen zu den absoluten Evergreens des barocken Musiktheaters wie seine einzige, vollwertige Oper „Dido and Aeneas“. Aus der Feder Purcells stammen 60 prachtvolle Fest- und Prunk-Musiken. Und nicht nur Songs wie „O Solitude“ umschmeicheln unvergleichlich die Seele, sondern selbst seine kontrapunktisch durchgeformten Gamben-Fantasien. Henry Purcell – ein Gigant der Musikgeschichte.
Dank verlässlicher Fahrensmänner der Alte Musik- Szene herrscht natürlich kein Mangel an einzelnen Spitzen-Einspielungen. Nun kommt die „Purcell Collection“ mit auf 16 CDs gebündelten Aufnahmen von 1991 bis 2007 daher. Und von seinen drei Musiktheater-Coups über die gesamte Kammermusik bis zu handverlesenen Songs offenbart diese Low-Budget-Box den ganzen Reichtum Purcells. Aber hier sind mit Trevor Pinnock und Countertenor Michael Chance, der Accademia Bizantina und Pieter-Jan Belder (Cembalo, Orgel) ja ausschließlich nur eingefleischte Purcell-Fans am Werk. Guido Fischer

Aus der Not eine Tugend

Planwirtschaftliche Kunstproduktion: VEB Deutsche Schallplatten Berlin hieß der Tonträgerproduzent der DDR, der sechs Labels unter seinem Dach vereinte, hübsch säuberlich nach E- und U-Musik getrennt. Die beliebten Rock- und Schlagerplatten des Labels Amiga zu 16,10 Mark subventionierten das anspruchsvolle Klassiklabel. Eterna, das – ursprünglich von Schauspieler Ernst Busch gegründet – 1954 vom VEB Schallplatten geschluckt worden war. 37 Jahre lang presste man Schallplatten in Potsdam-Babelsberg, streng konform mit der staatlichen Kulturpolitik. Doch dank hochkarätiger Interpreten im Stall wie Otmar Suitner oder Kurt Masur befinden sich im Archiv Meilensteine der Aufnahmegeschichte. Der Langspielplatte blieb man bei Eterna übrigens bis zur Wende treu, die Umrüstung auf CD-Pressung wäre zu teuer gewesen.
Aus dieser Not hat man in Potsdam-Babelsberg aber eine Tugend gemacht. Einer der Archiv-Eigentümer nach dem Verkauf 1991, die edel Music, setzt dem Kunstwillen des DDR-Labels unter dem Titel „AAA – Eterna Cuts“ ein Denkmal. Fünf der besten Aufnahmen (darunter Beethovens „Missa solemnis“ unter Masur, Mozarts „Entführung“ unter Suitner und die Matthäus-Passion unter den Mauersberger-Brüdern) wandern dafür direkt vom Originalband auf 180 g-Vinyl – ohne Klangbearbeitung. Die jeweils auf bis zu 1000 Exemplaren limitierten LP-Boxen, in Ausstattung exakt dem Original nachproduziert, sind von Hand nummeriert. Carsten Hinrichs

Guido Fischer, RONDO Ausgabe 2 / 2013



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