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Drei Orangen für ein Halleluja: Prokofjews „Die Liebe zu den drei Orangen“

Berlin, Deutsche Oper

Das späte Berlin-Debüt von Robert Carsen, einem der höchstgehandelten Opernregisseure der Welt, wirft ein Schlaglicht auf das bisherige Flitzpiepen-Wesen der selbsternannten „Opern-Metropole Berlin“. Warum so spät? Antwort des 58-jährigen Kanadiers: „Es hat mich nie jemand gefragt!“ Er hat’s mit Liebe vergolten. Sein Wunschstück, Prokofjews „Liebe zu den drei Orangen“, inszeniert Carsen als Hommage an die alte Theatermetropole Berlin. Die saftigen Apfelsinen, zu denen ein depressiver Prinz (Thomas Blondelle) in Liebe entbrennt, sind hier die drei Berliner Opern: Komische Orange, Deutsche Orange und Staatsorange Unter den Linden.
Die Inszenierung wirft mit Insiderwitzen um sich: Brecht-Gardine, Neuenfels-Ratten und Robert Wilson-Parodien. Zoo-Palast und Berliner Ensemble spielen gleich selber mit. Dass mit der Kloschüssel, in der die böse Killer-Köchin ihre Orangen lagert, ein Requisit aus Barrie Koskys alter „Grand Macabre“-Inszenierung (an der Komischen Oper) gemeint ist, merkte bei der Premiere angeblich nicht einmal Kosky selber. Der bunte Abend, der tornadogleich über die Bühne fegt, hat Kraft und Witz. Dagegen verpuffen die Rhythmen und verwackeln Einsätze, weil die Deutsche Oper akustisch zu groß ist für so agile Stücke. Verwaschenes Französisch und der zu laute Steven Sloane am Pult riskieren, dass die Farce musikalisch ungelenk, tönern und steif über die Rampe kommt. Am besten hörbar: die walkürige Heidi Melton als pummelige Fata Morgana und der erdige Albert Pesendorfer (König). Schade, dass man nicht gleich „Krieg und Frieden“ gemacht hat. Man erlebt dennoch die Arbeit eines Regie-Könners, der den Apparat virtuos zu handhaben und das Publikum hexenmeisterhaft zu umgarnen versteht. Es jubelt. Drei Orangen für ein Halleluja!

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 1 / 2013



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