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Der Lack ist ab in Dresden: Sabine von Schorlemer und Serge Dorny seinerzeit bei der Vertragsunterzeichnung (c) Semperoper/Matthias Creutzinger

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Showdown an der Elbe

Ab der kommenden Saison hätte für die Dresdner Semperoper eigentlich eine goldene Zukunft beginnen sollen. 2012 war die Intendantin Ulrike Hessler überraschend verstorben. Ein Jahr später konnte die Sächsische Kunstministerin Sabine von Schorlemer der Öffentlichkeit als Nachfolger eine international anerkannte Fachkraft in Person des Belgiers Serge Dorny präsentieren. Alle ab der Saison 2014/15 gültigen Verträge waren unterschrieben. Und auch Christian Thielemann als Chefdirigent der zur Semperoper gehörenden Staatskapelle hatte grünes Licht für den neuen Intendanten Dorny gegeben. Doch seit dem 21. Februar steht fest, dass der Geschäftsführer des Traditionshauses weiterhin als kommissarischer Interimsintendant weiterarbeiten muss. An jenem schwarzen Freitag bekam Dorny nämlich die fristlose Kündigung zugestellt. Aus dem geschätzten Hoffnungsträger war für Frau Ministerin plötzlich ein Bad Boy geworden, der mit seinen nachträglichen Vertragskorrekturen das „vorhandene Vertrauen aller Beteiligten in kürzester Zeit verspielt“ hatte. Und Thielemann hielt auf einmal Dorny, der als Generaldirektor jahrelang das London Philharmonic Orchestra sowie die Opéra National de Lyon geleitet hatte, für „extrem unerfahren“.
Bevor es richtig losgehen sollte, wurde die auf fünf Jahre angelegte Ehe zwischen den Vertragspartnern schon im Vorfeld wieder für null und nichtig erklärt. Und natürlich schiebt jetzt jeder dem anderen die Schuld zu – im Streit über die Kompetenzen in dem Drei-Sparten-Haus. Natürlich weiß man seit Berlin und München, dass Thielemann zum Dickkopf werden kann, wenn jemand seine Machtkreise stören will. So reagierte auch er etwas pampig, als Dorny nach dem erneuten Studium des Vertrags monierte, dass er auf die Geschicke der Staatskapelle wenig Einfluss haben würde. Doch was man von einem Alpha-Tier wie Thielemann auch halten mag – das, was er gegenüber dem „Münchner Merkur“ äußerte, trifft den Sachverhalt doch recht eindeutig: „Herr Dorny hat einen Vertrag unterschrieben, der von seinem Anwalt ausgehandelt wurde, und damit müsst's eigentlich gut sein. Wie es dazu kam, dass er plötzlich meint, seine Befugnisse und Kompetenzen genügen ihm nicht mehr, ist mir ein Rätsel."

Guido Fischer



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