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Honorar auf Weltniveau - und die Leistung? (c) Künstler

Pasticcio

Gegenwind für eine Reizfigur

Unlängst hat die „Los Angeles Times“ die Top 8 der bestverdienenden Dirigenten in den USA veröffentlicht. Auf dem letzten Platz steht James Conlon, der als Leiter der Los Angeles Opera jährlich schlappe 1,18 Millionen Dollar überwiesen bekommt. Fast doppelt soviel bekommt hingegen der Spitzenreiter Riccardo Muti als Chefdirigent des Chicago Symphony Orchestra. Und auf Platz 3 steht Christoph Eschenbach, der für seinen Job beim National Symphony Orchestra in Washington immerhin 1,93 Millionen Dollar verbuchen kann. So einen lukrativen Arbeitsplatz gibt man natürlich nicht gerne auf. Daher spielte das Geld sicherlich auch eine Rolle dabei, dass Eschenbach jetzt seinen Vertrag beim Hauptstadtorchester um zwei weitere Jahre, bis 2017 verlängert hat. Wirft man aber einen Blick in die Kommentare von begeisterten Konzertgängern und professionellen Klassikchronisten, scheint es gerade bei Eschenbach eine Kluft zwischen bisher erbrachter Leistung und Spitzenbezahlung zu geben. Obwohl der 73-Jährige nach seinen erfolgreichen Engagements in Houston und Philadelphia auch in Washington ein facettenreiches Repertoire bis hin zur Neuen Musik bietet, hat sich das Orchester seit seinem Amtsantritt spieltechnisch nicht unbedingt weiterentwickelt. Und Eschenbachs Interpretationen werden da als blass, als farb- und profillos bezeichnet. Von Jubelarien wurde seine Entscheidung dementsprechend jetzt nicht begleitet. Dass Eschenbach künstlerisch tatsächlich nicht immer auf Weltniveau agiert, konnte man auch hierzulande 2013 lesen. So wurde sein Dirigat bei den Salzburger Festspielen im Rahmen eines Mozart-Zyklus in Grund und Boden gestampft. Andererseits weiß gerade Eschenbach, wie man junge Solistentalente an die Spitze führen kann. Und sein Einsatz speziell für die Musik des 20. Jahrhunderts hat Hand und Fuß. Und allein dafür ist er sein Geld wert.

Guido Fischer



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