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Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Bryn Terfel wird immer wieder mit Meat Loaf verwechselt. In einem Fragebogen des Londoner »Guardian« hat sich der Bariton darüber beklagt, er werde in New York immer für den berühmten Rock-Klops gehalten – und in Paris für Gérard Depardieu. Auch das Leben in Hotels betrachtet Terfel als ein unangenehmes Opfer für seinen Beruf. Er habe, weil er auf Reisen war, sogar die Geburt seiner beiden ersten Kinder verpasst. Auch die positiven Seiten seines Lebens haben indes mit dem Beruf zu tun. Befragt, was der beste Rat gewesen sei, der ihm jemals erteilt wurde, antwortete er: »Lass dein Haar wachsen.« In den ersten Jahren seiner Karriere habe er ausgesehen »wie ein Bauer«. Dabei ist er keiner – im Unterschied zu Simon Keenlyside und John Eliot Gardiner, die wirklich landwirtschaftliche Betriebe unterhalten.
Flötenlegende James Galway, der für sein neues Album »Tiempo Libre« zu Sony zurückgekehrt ist, bereut seinen Ausflug zur Deutschen Grammophon. »Das war ein Rückschritt für mich«, sagte er in seinem Wohnort Meggen (bei Luzern). »Man hatte die umwerfende Idee, dass ich noch einmal ›Annie’s Song‹ einspielen soll. Dabei ist die alte Originalaufnahme viel besser als das, was jetzt dabei herausgekommen ist.« Galway, der in den Siebzigerjahren nach einem Streit mit Karajan die Berliner Philharmoniker verließ, blickt dennoch leicht sentimental in die Vergangenheit. »Wagner mit Karajan war ein einmaliges Erlebnis.« Der Krach mit dem Übermächtigen sei dadurch zustande gekommen, dass Karajan ihn nicht habe ziehen lassen wollen. »Er war wie ein Vater, wenn der Sohn nichts mehr von ihm wissen will. Trotzdem ist er mein Lieblingsdirigent geblieben.« Über seine Schwierigkeiten bei einigen Festivals heute Fuß zu fassen, sagte er: »Wenn ich ein Stück von Luciano Berio anbieten würde, könnte ich sofort überall spielen. Das interessiert mich aber nicht. Viele Musiker heute verstecken ihre mangelnde Musikalität hinter Neuer Musik. Die ist zwar technisch schwierig. Aber musikalisch durchaus anspruchslos.«
Sopranistin Deborah Voigt, die sich durch eine Operation den Magen verkleinern ließ und angeblich 60 Kilo abgenommen hat, ist auf die Bühne der Londoner Covent Garden Opera zurückgekehrt. Hier hatte man vor fünf Jahren ihren Vertrag mit dem Argument storniert, sie sei für die Titelpartie von »Ariadne auf Naxos« zu dick. In einem auf Youtube gezeigten Video (www.youtube.com/watch?v=kQqPauyGiVU) erhält die Diva in ihrem Appartement Besuch von jenem »Kleinen Schwarzen«, in das sie damals nicht reinpasste. Das Kleidungsstück und die Sängerin unterhalten sich und planen kämpferisch ihre Rückkehr. Drohung der Primadonna: »Keine Tricks, Kleines! Sonst gehe ich ohne dich auf die Bühne.« Die Rückkehr nach London hat stattgefunden, ohne dass sie die Drohung wahr gemacht hat ...
Arcadi Volodos, der sich schon mehrfach gegen sein Image als Teufelspianist ausgesprochen hat, möchte grundsätzlich nicht unter sportlichen Aspekten der Virtuosität betrachtet werden. »Wenn wir Musiker wie die Sportler wären, müssten wir alle mit 35 Jahren unsere Laufbahn beenden«, sagte er in einem Interview. »Oft hört man Klavierspieler sagen, dass sie bestimmte Stücke nicht spielen können, weil sie zu kleine Hände oder irgendwelche anderen physischen Probleme haben. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Probleme nie in den Händen sitzen, sondern immer nur im Kopf und in der Fähigkeit, die Musik wahrzunehmen.« Bei seiner Arbeit mit der spanischen Pianistin Alicia de Larrocha habe er das gelernt. »Sie reichte mir, aufrecht stehend, kaum bis zur Schulter. Dennoch spielte sie mit ihren kleinen Händen die schwierigsten Stücke von Albéniz, Granados und de Falla – wunderbar! Sie spielte sogar das dritte Klavierkonzert von Rachmaninow.« Das zeige, »dass die Virtuosität im Kopf steckt, im Gehör und in der Verbindung zwischen Gehirn und den Händen. Wäre es nicht so, müsste ein Musiker beim Üben bei jedem Stück von null anfangen.«
Während Bayreuth im nächsten Jahr keine Premiere vorbereitet, öffnen sich die Salzburger Festspiele 2009 – nach inoffiziellen Quellen – der Alten Musik mit Händels »Theodora« (dirigiert von Ivor Bolton, inszeniert von Christof Loy). Claus Guth darf mit »Così fan tutte« seinen Mozart-da- Ponte-Zyklus komplettieren. Flimms best buddy Riccardo Muti kehrt mit Rossinis »Moïse et Pharaon« zurück (Regie: Pier’Alli), und mit Luigi Nonos »Al gran sole carico d’amore« kriegt man so etwas wie einen Anfall von Moderne (Dirigent: Ingo Metzmacher, Regie: Katie Mitchell). Es sind dem äußeren Anschein nach Produktionen, für die man an andere Orte als Salzburg kaum reisen dürfte.

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 5 / 2008



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