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17. — 23. März 2018

„Eigen-Arten“

Von Frühling ist zwar derzeit wenig zu spüren, doch in Heidelberg zumindest feiert man ab nächster Woche ein kulturelles Erwachen. Das gut fünfwöchige Festival „Heidelberger Frühling“ im malerischen Städtchen am Neckar steht 2018 unter dem Leitgedanken „Eigen-Arten“ und beschäftigt sich in seiner 22. Saison mit der grundlegenden Frage: „Was macht uns aus?“ Dieser Blick auf uns, die Gesellschaft, bestimmt den diesjährigen, zweiten Teil der Festival-Trilogie, die sich über drei Jahre mit dem Thema „In der Fremde“ befasst. Thorsten Schmidt, Intendant des Festivals, hat für die Festivalzeit vom 17. März bis 21. April über 100 Veranstaltungen geplant. „Artist in Residence“ ist dieses Mal der Cellist Jean-Guihen Queyras, der u.a. mit der Produktion „Mitten im Leben wir sind“ mit Choreographien von Anne Teresa De Keersmaeker zu Bachs sechs Cellosuiten zu erleben sein wird. Ende März gibt es mit dem Kammermusikfest „Standpunkte“ (22.-25.3.) zudem ein kleines, feines Festival im Festival, das sich in diesem Jahr speziell mit dem Musikland Amerika auseinandersetzt. Das Themenwochenende „Neuland.Lied“ (12-15. April) widmet sich dagegen mit 12 Veranstaltungen ganz dem Genre des Lieds. Begleitet und reflektiert wird das Festival auch in diesem Jahr wieder von diversen Akademien (Lied, Kammermusik, Komposition und Musikjournalismus) und – zum zweiten Mal – der „Villa Abegg“, einem neu konzipierten Zukunftslabor. Frohes Schaffen!

Weitere Infos und Tickets gibt es auf www.heidelberger-fruehling.de.

(Fotos: Anne van Aerschot, Tyl C./Studio visuelle)


10. — 16. März 2018

Sex & Crime

Das Drama begann offensichtlich schon im Vorfeld dieser „Salome“-Premiere an der Staatsoper Berlin. Dirigent Christoph von Dohnányi schmiss zwei Tage vor der Premiere hin, wegen „künstlerischer Differenzen“ mit dem Regisseur Hans Neuenfels. Was genau den 88-Jährigen an der „Salome“-Inszenierung von Neuenfels so gestört hatte, erfuhr man nicht. War es die Phallus-Rakete, in der der Prophet Jochanaan zunächst am Bühnenhimmel schwebend gefangen gehalten wird? Später wird sie heruntergelassen auf den Boden, um den Weg frei zu machen für Salomes Annäherungsversuche und Jochanaans brutalen Tod. War es die von Neuenfels ins Bühnengeschehen eingeschleuste Figur des Poeten Oscar Wilde (Christian Natter) – mit silbernen Riesenhoden über der schicken Anzughose? Salome und Wilde werden in dieser Produktion symbiotisch vereint, sie ist gleichsam sein Alter Ego. War es der morbide Totentanz mit Kannibalismus-Einlage, den Salome mit Wilde als personifiziertem Tod anstatt des Schleiertanzes aufführt? Wenn man die Arbeiten von Neuenfels kennt, dürften diese sexualisierten Bilder einen kaum überraschen. Daran wird Dohnányis Weggang also nicht gelegen haben. Dennoch darf die Frage – auch und gerade bei Neuenfels – gestellt werden: Was bringt heute eine solche Holzhammer-Bebilderung über den offensichtlichen Provokations-Effekt hinaus für die Begegnung mit einem Stoff wie der „Salome“? Bei einer Oper, die sowieso schon so direkt wie kaum eine andere von Begehren, Sexualität, von Trieben und Wahnsinn handelt?
Als Ersatz für den abgeschreckten von Dohnányi sprang im Übrigen der ehemalige Barenboim-Assistent Thomas Guggeis ein, 24 Jahre alt. Er hatte ohnehin die Einstudierung begleitet und sollte eine spätere Aufführung dirigieren. Nun also hatte er bereits bei der Premiere – durchaus souverän und sehr differenziert – die musikalischen Fäden in der Hand. Eine sterile Schwarz-weiß-Optik bildet den unmenschlichen Hintergrund für die Protagonisten auf der Bühne, die zwar ihrer Kleidung nach dem frühen 20. Jahrhundert entstammen sollen, doch von Lebenslust und Vergnügungssucht rund um die goldenen 20er Jahre ist hier nicht viel zu spüren. Gezeigt wird eine verbitterte, abgründige Welt, die einem das Drama um Salome noch mehr entfremdet als es die makabere Handlung ohnehin schon tut. Nur manchmal wird dies aufgebrochen – durch Szenen der Subtilität, der dramatischen Intensität. Etwa im bereits erwähnten Schleiertanz für den lüsternen Stiefvater Herodes, den Salome als Pas de deux mit Oscar Wilde vollzieht. Eros und Thanatos, Liebes- und Todestrieb in einer Spirale aus Anziehung und Ablehnung. Wenn am Ende des Tanzes Salome ihre Zähne in den bezwungenen Tod schlägt, erlebt man die brutale Symbiose der beiden Kräfte. Dieser Dualismus von Liebe und Tod ist ein Grundpfeiler von Neuenfels` Regiekonzept, der an dieser Stelle funktioniert, aber als Idee für einen ganzen Opernabend nicht trägt.
Doch auch das Ende der Inszenierung entwickelt einen dramatischen Sog, wenn Salome ihren Willen brutal durchgesetzt hat und auf einem Schachbrett-Feld voller abgeschlagener Köpfe endlich den Angebeteten küssen will. Die vielen Köpfe des Jochanaan sollen die Geschichte parabelhaft, allgemein gültig machen, liest man im Programmheft dazu. Ein Porzellankopf, den Salome schließlich am Boden zerschellen lässt, scheint die (unsichtbare) Enthauptungsszene des Propheten noch einmal als Gewaltexzess zu vergegenwärtigen. Wie Ausrine Stundyte in der Titelpartie hier die Entrückte, Wahnsinnige und dabei doch zutiefst Menschliche verkörpert, im Sog ihrer Taten und ihrer Empfindungen, das zieht einen in ihren Bann. Leider hat Stundyte, die mit dieser Salome ihr Rollendebüt gab, davor vor allem in der Mittellage mit den Herausforderungen der Partie zu kämpfen, was beim Schlussapplaus mit lauten Buhs quittiert wird. Überzeugend sind Marina Prudenskaya als glitzernde und abgrundtief böse Salome-Mutter Herodias und auch Gerhard Siegel als triebgesteuerter Herodes. Stimmgewaltig auch Thomas Mayer als stoischer Jochanaan, der immer wieder Schutz sucht in seiner Phallus-Rakete, einem Sinnbild für seine eingekerkerte, von der Kirche unterdrückte Sexualität.
Letztlich wirken die Mittel, die Neuenfels für diese Salome-Deutung wählte, in ihrer Kombination zu beliebig: Biografische Bezüge zu Wilde und seiner Welt des Fin de Siècle, ein bisschen Sex- und Todesdrastik, eine Schwarz-weiß-Stilisierung, die Distanz schafft. Das Premieren-Publikum zumindest konnte sich keinen wirklichen Reim drauf machen. Ein paar Buhs und Bravos und Achtungsapplaus für den Einspringer Thomas Guggeis, der mit diesem Abend keine leichte Aufgabe hatte.

Anna Vogt

(Fotos: Monika Rittershaus)


03. — 09. März 2018

Streicherträume

Am Wochenende vom 23. bis 25. Februar hatten viele junge Solisten von morgen einen wichtigen Termin: Im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg fand der Wettbewerb des Deutschen Musikinstrumentenfonds statt. Bei diesem jährlich stattfindenden Wettbewerb können sich besonders begabte Nachwuchsmusiker Spitzeninstrumente als Leihgaben erspielen. Daneben mussten auch die „Leihverlängerer“, die schon auf einem Instrument des Fonds spielen, wieder antreten und um ein weiteres Jahr mit ihrem Instrument spielen. Bis maximal zum 30. Lebensjahr kann man die Leihgabe verlängern, falls man die Jury regelmäßig davon überzeugt, dass man das Instrument verdient hat. Bewerben kann man sich ab 12 Jahren. Vor einer fünfköpfigen Jury aus Musikprofessoren und vor zahlreichen interessierten Besuchern traten etwa 70 Musikerinnen und Musiker an – und das bei harter Konkurrenz. Denn um sich überhaupt für diesen Wettstreit bewerben zu können, muss man einen ersten Bundespreis bei „Jugend Musiziert“ in der Solowertung vorweisen oder einen anderen vergleichbaren Preis bei einem renommierten Wettbewerb. 12 Violinen, 3 Violen und 8 Celli fanden am Ende des intensiven Wettbewerb-Wochenendes neue Besitzer auf Zeit. Neben der Förderung durch eine solche Leihgabe werden den Gewinnern durch die Stiftung Deutsches Musikleben, die den Fonds eingerichtet hat, auch Konzerte und Stipendien vermittelt. Herzlichen Glückwunsch an die neuen Stipendiatinnen und Stipendiaten der Stiftung!

(c) Deutsche Stiftung Musikleben


24. Februar — 02. März 2018

XXL

Nach der Deutschen Oper Berlin wagt sich nun auch die Oper Frankfurt an die fast fünfstündige Grand Opéra „L' Africaine – Vasco da Gama“. Giacomo Meyerbeer scheint hierzulande eine kleine Renaissance zu erfahren, nachdem er vor allem in Frankreich lange mit der Grand Opéra, die er Anfang des 19. Jahrhunderts wesentlich mitentwickelte, gefeiert wurde. Große Chor-Tableaux, lyrische Soloszenen, mitunter Tanzeinlagen, technische Bühneneffekte: Die Grand Opéra versprach das ganz große Spektakel – und das oft auch in großen zeitlichen Dimensionen. Kein Wunder, dass man heute oft den Aufwand scheut, der mit solch einem Mammut-Opus einhergeht. „L' Africaine“ spielt mit den großen Sehnsüchten der Romantik: Fernweh, Exotik, Gefühle. In Frankfurt feiert die Oper diesen Sonntag (25.2.) Premiere unter der musikalischen Leitung von Antonello Manacorda. Die Regie führt Tobias Kratzer, der sich bereits in Nürnberg mit Meyerbeers „Huguenots“ und in Karlsruhe mit „Le Prophète“ auseinandergesetzt hat. Claudia Mahnke und Michael Spyres sind in den Hauptpartien zu erleben. Auf dem Spielplan dann noch bis April.

(Foto: Monika Rittershaus)


17. — 23. Februar 2018

Haifischmusik

Was für Gestalten! Bettler, Gauner, Huren und Ehrenmänner bilden das Personal in der „Dreigroschenoper“ von Kurt Weill und Bertolt Brecht. In dieser Geschichte ist alles drin: Liebesgeschichte, Konflikte, Gewalt, Satire. Es sind zeitlose Themen, die über die Jahrhunderte nichts von ihrer Aktualität eingebüßt haben. Denn auch zwischen dem Theaterstück mit Musik „Dreigroschenoper“, uraufgeführt 1928 in Berlin, und der Vorlage dazu, John Gays „The Beggar`s Opera“ von 1728 liegen schließlich ganze zweihundert Jahre. Am 18. Februar feiert die „Dreigroschenoper“ in der Oper Halle Premiere, die Regie führt Henriette Hörnigk. Danach noch bis 17. Juni auf dem Spielplan.

(Fotos: Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH, Falk Wenzel)


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