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Paul Hindemith

Das Marienleben

Rachel Harnisch, Jan Philip Schulze

Naxos 8573423
(65 Min., 5/2014)

Als sich Paul Hindemith 1948 ein letztes Mal an den immer wieder von ihm überarbeiteten Liederzyklus „Das Marienleben“ setzte, verfolgte er auch eine intensivere Verbindung zwischen Werk und Zuhörer. „Aus der etwas beschämenden Rolle des bloßen Musikkonsumenten“ wollte Hindemith ihn holen, um ihn „so weit wie möglich in die des Mitfühlenden, des Verstehenden zu erheben.“ Dafür ging er sogar ziemlich weit und komponierte für die Neufassung so manches der insgesamt 15 Lieder neu. Nun schwingt in der von Hindemith in seinem Vorwort formulierten Forderung die Gefahr mit, dass die Sängerin sich eingeladen fühlt, das emphatische Potenzial dieser Musik gefährlich nah bis an die Gefühligkeitsgrenze herauszukitzeln. Im Fall der Schweizer Sopranistin Rachel Harnisch kann man hingegen sagen, dass sie bei Hindemiths Vertonung von Rainer Maria Rilkes gleichnamigem Gedicht-Reigen wirklich alles richtig gemacht hat. Zusammen mit ihrem Klavierpartner Jan Philip Schulze macht sie einerseits den Reichtum einer Musik mühelos plastisch und deutlich, die von nüchtern herb über lyrisch verinnerlicht bis schmerzvoll funkenschlagend reicht. Zugleich schafft es Harnisch mit ihrer ungemein substanzreichen, leuchtkräftigen, auch bei den heftigsten Gefühlswallungen nie die Kontrolle verlierenden Stimme, den Hörer eben zu packen und ihm damit die Klangbild- und -sinnfülle dieses faszinierenden musikalischen Marien-Porträts zu vermitteln.

Guido Fischer, 10.06.2017



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