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Rules Of Oppression

Shalosh

Contemplate/Cargo 00111970
(50 Min., 1/2016)

Es ist ein bisschen so wie im Referenz-Ensemble der Pianotrio-Renaissance im zeitgenössischen Jazz: Ähnlich wie es bei E.S.T der Fall war, kennen sich auch die Musiker des israelischen Dreierbundes Shalosh (was auf Hebräisch passenderweise „drei“ bedeutet) schon seit Kindertagen. Sicherlich wären noch mehrere Parallelen zu bemerken – die Liebe zur klassischen Musik und zum Hardrock, die jugendliche Energie oder der freie Umgang mit dem Jazzbegriff –, doch im Grunde liegen zwischen Shalosh und E.S.T. Welten.
Auch wenn sich Pianist Gadi Stern, Bassist Daniel Benhorin und Schlagzeuger Matan Assayag beispielsweise chartplatzierte Songs wie Lana Del Rays „Video Games“ oder „Don't You Want Me“ von Human League vorknöpfen, lassen sie wenig von der freundlichen Pop-Affinität, die E.S.T ausmachte, durchscheinen. Im Geiste von The Bad Plus nehmen sie die Stücke vielmehr lustvoll auseinander, mal pointillistisch mit dem Hang zu Auflösungserscheinungen wie im Falle von „Video Games“, mal grimmig wie Kfz-Mechaniker, die einen 80er-Jahre-Oldtimer wie „Don't You Want Me“ komplett ausschlachten. Letzteres hätte man auf „Rules Of Oppression“ gerne öfter machen können.
Shalosh weitet den Piano-Trio-Kontext regelmäßig aus. Da taucht etwa überraschend ein Synthesizer im CD-Titelstück auf, da verwandelt eine Sopranistin mit wortlosem Gesang eine rockige Nummer wie „Bond Villain“ in einen Tim-Burton-Soundtrack. Auch teilt sich zuweilen ein elfköpfiges Streicher- und Bläserensemble die Bühne mit den drei Musikern, was zu musicalhaften Tongemälden mit schrägen Pinselstrichen in orientalisch krummen Metren führt.
Shalosh hat zweifellos Ideen, Energie und Witz. Problematisch ist allerdings der Hang des Pianisten Stern zu repetitiv gehämmerten Solomustern. Möge jeder selbst entscheiden, ob das ein Alleinstellungsmerkmal des Trios ist – oder doch auf die Dauer arg nervt.

Josef Engels, 10.06.2017



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