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Giacomo Gorzanis

Lautenwerke

Michele Carreca

dhm/Sony 88985374332
(54 Min., 4/2015)

Der aus Apulien stammende Renaissance-Komponist Giacomo Gorzanis muss zu Lebzeiten auf der Laute eine gewisse Berühmtheit gewesen sein. Immerhin fand er nicht nur in Triest, am mächtigen Hof der Habsburger, eine Festanstellung. Seine Kompositionen gelangten Ende des 16. Jahrhunderts, im Zuge politischer Heiratspläne zwischen Habsburg und England auf die Insel. Aber wie es rückblickend vielen seiner Kollegen so gegangen ist: Auch der wohl blinde Gorzanis hat weder weitere biografische noch überhaupt wichtige Spuren in der Musikgeschichte hinterlassen. Kein Wunder, dass die diskografische Beschäftigung mit seinem Nachlass zugleich auch zahlreiche Weltersteinspielungen beinhaltet.
Der ebenfalls aus Apulien stammende und von Großmeister Hopkinson Smith ausgebildete Lautenist Michele Carreca hat nun nahezu alle auffindbaren Notenmanuskripte von Gorzanis durchstöbert und eine repräsentative Auswahl an Fantasien, Tanzsätzen wie Saltarello und Passamezzo sowie für die Laute eingerichtete Vokalstücke getroffen. Eingespielt auf sechs-, sieben- und achtchörigen Lauten, kann Carreca die gesangliche Zartheit genauso zum Leuchten bringen wie den eleganten Schwung, aber auch die gewagte, wenngleich nicht unbedingt visionäre Chromatik. Und wie einnehmend selbst eine balladenhafte, so ganz ohne aufwendige Ornamentik daherkommende Fantasia sein kann, spricht nicht nur für die Fantasie des Komponisten, sondern auch jetzt für die des Interpreten.

Guido Fischer, 17.06.2017



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