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On

Nils Wülker

Warner 9029583133
(45 Min.)

Für sein zweites Album im Auftrag von Warner hat Nils Wülker, neben Till Brönner der einzige deutsche Jazztrompeter mit einem Vertrag bei einem Gobal Player in der Musikindustrie, einiges anders gemacht. Den klassischen Bandansatz, der bislang alle seine Aufnahmen bestimmte, hat er über Bord geworfen und sich stattdessen der Klangästhetik des HipHop mit all seinen Brüchen, Loops und Sample-Fundstücken angenähert.
Dafür arbeitete Wülker mit dem Produzententrio The Krauts zusammen, das unter anderem für Seeed oder Peter Fox tätig war. Wer jetzt aber denkt, dass der Trompeter, der auf „On“ auch viel am Synthesizer, Wurlitzer oder Moog zu hören ist, völlig in einer jazzfernen Welt untertaucht, irrt gewaltig. Im Gegensatz zum Vorgänger „Up“, der mit lauter Gastsängerauftritten von unter anderem Jill Scott, Xavier Naidoo oder Sasha gespickt war, spielt auf „On“ wieder die Trompete die Hauptrolle.
Lyrisch wie ein feingliedriger Singvogel erklingt sie im Albumauftakt „Trust“ in den ersten Takten über einen minimalistischen Beat à la Roy Hargrove oder D'Angelo, um sich dann analog zum radikalen Temperamentswechsel des Stückes in einen Fusion-Adler mit scharfen Krallen zu verwandeln. Wülker experimentiert im Laufe der Aufnahme ungemein viel mit Trompetensounds, mal schickt er den Klang seines Horns in einen Vocoder, mal verfünffacht er das Instrument, mal verwandelt er es in synthesizerartige Flächen.
Aber egal, was er macht – er bleibt seinem alten Ansatz treu. Anders als die ebenfalls an HipHop, House oder Techno andockenden Vorgänger Erik Truffaz oder Nils Petter Molvaer betreibt Wülker nämlich keine impressionistisch nebulöse Atmosphärenmalerei, sondern setzt nach wie vor auf klar erkennbare Melodien, Kompositionsstrukturen und durchdachte Soli.
Und wenn dann mal ein Star wie Marteria zu Wülkers Stück „Change“ sprechsingt, dann nur kurz und weit hinten im Songablauf. Der Rap nimmt die Funktion eines Solos ein, währenddessen die Trompete das erste Wort hat und gewissermaßen zum Sänger wird. Ein kleines, aber beredtes Beispiel, das zeigt, wie neu und anders Wülker die Rollenverteilung zwischen Jazz, Pop und HipHop auf „On“ denkt.

Josef Engels, 24.06.2017



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