Responsive image
Bohuslav Martinů, Karel Husa, Viktor Kalabis, Jindřich Feld

Czech Viola Sonatas

Kristina Fialová, Igor Ardašev

Supraphon/Note SU4211
(61 Min., 4 & 5/2016)

Wie ein Eröffnungsportal für das gesamte Programm dieser CD wirkt der Klavier-Beginn der Bratschen-Sonate von Martinů; bald gesellen sich den markanten Klängen die berückend dunklen und vollen Klänge der Viola hinzu. Ein überaus reizvolles Stück haben Kristina Fialová und Igor Ardašev also an den Anfang ihrer CD gestellt – es handelt sich um ein 1955 entstandenes Spätwerk des zu jener Zeit im amerikanischen Exil lebenden Komponisten.
Allerdings hält das Programm noch weitere Höhepunkte bereit: u.a. die Ersteinspielungen der Viola-Sonaten von Viktor Kalabis (1923-2006) und Jindřich Feld (1925-2007), erstere ein völlig unveröffentlichtes Werk aus dem Jahre 1997. Der Hörer ahnt – und wird vom kompetenten Beihefttext zumindest einmal auf diese Fährte gebracht –, dass ihn die Beschäftigung mit dem Repertoire dieser CD Einblick nehmen lässt in ein Kapitel der jüngeren europäischen Musikgeschichte, über das man hierzulande nicht viel weiß: Husa, Kalabis und Feld sind Kompositionsschüler ein und desselben Dozenten am Prager Konservatorium gewesen, und sie pflegen eine Stilistik, in der sich traditionelle Einflüsse mit gemäßigt modernen Kompositionstechniken mischen, ohne dass der Boden der Tonalität dabei verlassen würde. Weil jedoch die teils „scharfkantigen“, oft mit übermäßigen Sekunden gespickten Melodien sich mit einer angespannten, angereicherten Harmonik mischen, entsteht eine prägnante, an das Phänomen der „nationalen Schulen“ anknüpfende Klangwelt, die keinerlei avantgardistische Experimente vermissen lässt. Fialová und Ardašev zelebrieren dieses Idiom mit höchster Leidenschaft und bemerkenswerter Energie. Das Ergebnis ist eine wirklich mitreißende CD, die den Hörer in eine Welt entführt, die ihm bisher kaum oder gar nicht bekannt gewesen sein dürfte.

Michael Wersin, 01.07.2017



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top