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Songs I Like

Christoph Pepe Auer

O-Tone Music/Edel 1010117OTO
(41 Min.)

Man wird ja derzeit oft an die Popkultur der 1990er Jahre erinnert. Soundgarden-Frontmann Chris Cornell ist tragischer Weise fort, dafür kamen in letzter Zeit „Twin Peaks“ und „Baywatch“ wieder. Wer dafür seelischen Beistand braucht, kann sich gerne an den österreichischen Saxofonisten, Bassklarinettisten und Klangbastler Christoph Pepe Auer wenden.
Der dreimalige Hans-Koller-Preisträger betreibt am Ende seines Albums „Songs I Like“ nämlich einen originellen 90er-Jahre-Exorzismus. Hinter den mit dem Titel „90s Therapy“ betitelten Stücken verbergen sich drei Songs, die kennzeichnend für das Jahrzehnt des Grunge, der Tanzwut und der Sensibelchen sind: Nirvanas „Heart Shaped Box“, der Dance-Hit „Rhythm Of The Night“ von Corona sowie die durch Sinéad O'Connor berühmt gewordene Prince-Ballade „Nothing Compares 2 U“. Letztere lässt Auer von der Sängerin Lylit vortragen, bei den anderen übernehmen Altsaxofone, Bassklarinetten, Daumenklavier, Glockenspiel und Elektronik die Interpretenrolle.
Dass man diese Hits so noch nie gehört hat, verdankt sich auch den technischen Errungenschaften der jüngeren Vergangenheit. Auer schöpft auf „Songs I Like“ die modernen Möglichkeiten der Sample-Bearbeitung voll aus. Er zerschnibbelt Blasgeräusche, Ventiklappern und kleine Melodiesegmente, die aus seiner Bassklarinette dringen, und setzt sie in Loops neu zusammen. Er benutzt aber auch andere Soundquellen, wie zum Beispiel das Pinselschaben eines Malers im Eröffnungsstück „Chokladkaka“.
Trotz der aufgefahrenen Technik klingt das Resultat ähnlich organisch wie die Klarinettenmanipulationen des deutschen Kollegen Niels Klein im Projekt „Tubes and Wires“: Auers bewusst simpel und grooveorientiert gehaltene Stücke pulsieren und atmen. Und sie beschränken sich nicht bloß auf Soundspielereien à la Matthew Herbert (auch so ein Held der 90er Jahre), sondern integrieren ganz selbstverständlich Streicher, Drehorgel oder Akkordeon ins sonische Geschehen. Was dann dazu führt, dass „Die Nebensonnen“ aus der „Winterreise“ zu einem argentinischen Tango werden. Passt irgendwie ins Vergangenheitsbewältigungskonzept: Schließlich war Franz Schubert ein spätes Kind der 90er Jahre. Wenn auch der des 18. Jahrhunderts.

Josef Engels, 01.07.2017



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