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Leonardo Leo, Giovanni Carlo Cailò, Pietro Marchitelli, Nicolo Fiorenza u.a.

The Fiery Genius (Neapolitanische Instrumentalmusik für 1, 2, 3 oder 4 Violinen)

Enrico Gatti, Ensemble Aurora

Arcana/Note 1 A429
(69 Min., 5/2016)

Neapel, diese jahrtausende alte Perle unweit des Vesuvs, war schon immer eine Reise wert. Auch und gerade bei den Bildungshungrigen des 18. und 19. Jahrhunderts, die sich wie Goethe mit Tinte, Feder und Papier aufmachten, um an die antiken Gründungsstätten der abendländischen Menschheitsgeschichte zurückzukehren. Natürlich lauschte aber auch solch ein wacher Geist wie der englische Musikhistoriker Charles Burney in eine Stadt hinein, die ihren glänzenden Ruf vor allem der Oper und der Kirchenmusik verdankte. Laut Burney besaßen die Neapolitaner zudem auf dem Gebiet der Instrumentalmusik einen „feurigen Genius“. Und auf die Spuren dieser Gabe hat sich nun das italienische Alte Musik-Ensemble Aurora unter ihrem Leiter Enrico Gatti gemacht. Unter dem Albumtitel „The Fiery Genius“ haben die sechs Musiker in wechselnden Besetzungen Sonaten und Concerti für bis zu vier Violinen aufgenommen, die aus der Feder von heute zumeist vergessenen, in Neapel geborenen oder hier wirkenden Barockkomponisten stammen. Der namhafteste unter den Maestri und Zeitgenossen von Vivaldi und Corelli ist Leonardo Leo, von dem gleich zu Beginn ein klassisch viersätziges, von einer gewissen sakralen Aura beseeltes Concerto für Violin-Quartett und Basso continuo erklingt. Ausdrucksintensiv bewegend bis erlesen schwungvoll nimmt sich das Ensemble diesem Stück wie überhaupt all den anderen Werken an. Doch so sehr diese Opera durchaus auch Vergnügen bereiten, so wartet man doch vergeblich auf diesen genialen Funken, der einen überrascht, packt, fesselt.

Guido Fischer, 08.07.2017



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