Allein für diese Programmauswahl müsste Leonard Elschenbroich von der französischen Regierung zum „Kommandeur der Ehrenlegion“ ernannt werden. Denn auf dem mit „Siècle“ betitelten Album kombiniert Elschenbroich nicht einfach zwei Cellokonzerte von Camille Saint-Saëns und Henri Dutilleux. Dazwischen kommen Debussy (Cellosonate), Ravel („Pièce en forme de habanera“) sowie der fünfte der acht Sätze aus Olivier Messiaens „Quatuor pour la fin du temps“ zum Zuge. Was für ein ambitioniertes Panorama französischer Musik. Und der gebürtige Frankfurter ist dafür der nahezu perfekte Interpret! Sein Spiel besitzt schließlich diesen nötigen Nuancenreichtum bis hin zum filigranen Zauber, der nicht nur den Impressionisten poetisches Leben einhaucht. Auch das 1970 uraufgeführte Cellokonzert von Dutilleux will oftmals am seidenen Faden gespielt werden. So atmosphärisch entrückt und rätselhaft kommt es daher – und nun eben auch bei Elschenbroich. Und was für eine bedrückende wie zugleich doch auch irgendwie berückend schöne Einsamkeit schwingt bei ihm bei Messiaen mit – im Zusammenspiel mit Pianist Alexei Grynyuk. Elschenbroich ist ein faszinierender und packender Ausdrucksmusiker. Daher ist es wenig verwunderlich, dass die virtuosen Pirouetten, die das 1. Cellokonzert von Saint-Saëns verlangen, nicht so seine Sache sind. Macht aber nichts. Dafür gibt es selbst in den Ecksätzen genügend Momente, die er gemeinsam mit dem BBC Scottish Symphony Orchestra unter Leitung von Stefan Blunier in aller Seelenruhe kostbar gestalten kann.

Guido Fischer, 29.07.2017



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