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Rudolf Mauersberger

Geistliche Sommermusik

Friederike Beykirch, Nanora Büttiker, Markus Kaufmann, Singakademie Dresden, Ekkehard Klemm

Querstand VKJK 1708
(54 Min., 2/2017)

Rudolf Mauersberger, der den Dresdner Kreuzchor ab dem Jahre 1930 rund 40 Jahre leitete, ist heute vor allem bekannt für seine Vertonung der Jeremia-Klageliedverse „Wie liegt die Stadt so wüst“, entstanden im August 1945 unter dem Eindruck des vernichtenden Bombardements der Stadt Dresden. Auf dieser CD wird er mit einem anderen Werk gewürdigt, das er selbst im Mai 1949 uraufgeführt hat. Es handelt sich um seine „Geistliche Sommermusik“, eine farbenreiche und vielfältige Vertonung von Liedstrophen und Bibelversen für zwei Chöre, Soli und Orgel.
Präsentiert bekommen wir das Werk von Ekkehard Klemm, der selbst als Kreuzknabe noch unter Mauersberger als Dirigenten gesungen hat. Er leitet seine Singakademie Dresden, die hier mit einem gemischten Chor und einem Kinderchor groß besetzt ist. Dass Klemm die beiden Soli nicht mit Knaben (die Altpartie hatte Mauersberger für Peter Schreier geschrieben), sondern mit Frauenstimmen besetzt, ist eine folgerichtige Entscheidung – und eine glückliche dazu im Blick auf die eingesetzten Interpretinnen: Friederike Beykirch und Nanora Büttiker bereichern das Klangbild mit ihren wohltimbrierten Stimmen ungemein.
Mauersbergers „Geistliche Sommermusik“ ist Kantorenmusik der guten, alten, überaus wertvollen Art: Wer schickt sich schon heute noch an, Lieder wie Paul Gerhardts „Geh aus, mein Herz“ oder Luthers „Die beste Zeit im Jahr ist mein“ in Kombination mit einer kompetent zusammengestellten Auswahl alt- und neutestamentlicher Bibelverse zu einer Art Kantate zu formen, dabei weder eine lebendige Versinnbildlichung des Textes noch die unmittelbar ansprechende, ja bewegende Klangpracht zu vergessen und auf dem Höhepunkt eine großartige Vertonung des Vaterunser zu bieten? Es ist eine versunkene Tradition ganz selbstverständlich glaubensbasierten, handwerklich vortrefflichen Musikschaffens, geprägt vom eigenen Daheim-Sein in der Chorliteratur der Jahrhunderte, die anhand dieses hörenswerten Werkes einmal wieder zum Vorschein kommt. Eine Bereicherung, dass dieses Stück nun in einer vorbildlichen Aufnahme vorliegt.

Michael Wersin, 05.08.2017



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