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Claude Debussy, Richard Strauss

Colors (Werke für Klavier zu vier Händen)

Yaara Tal & Andreas Groethuysen

Sony 88985446952
(61 Min., 9 & 10/2016)

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bekamen besonders die Musikfreunde in Paris stets Aufregendes bis Kurioses geboten. Wie etwa 1907 bei der französischen Premiere von Richard Strauss´ „Salome“. Da die „Salome“ Emmy Destinn für ihren „Tanz der sieben Schleier“ leider etwas zu füllig und unbeweglich erschien, übernahm bei der Aufführung durch einen für das Publikum nicht ersichtlichen Trick eine russische Startänzerin den Job. Als beim Schlussapplaus der dirigierende Komponist Strauss aber plötzlich zwischen zwei „Salomes“ stand, ging er mächtig auf die Barrikaden. All das kann man nachlesen in den amüsanten Memoiren des französischen Impresarios Gabriel Astruc, dem Paris etwa auch die legendäre Uraufführung von Debussys „Prélude à l´après-midi d´un faune“ zu verdanken hatte. Überhaupt Strauss und Debussy. Diese beiden Co-Wortführer einer neuen Moderne kannten und schätzten sich. Und während Debussy 1907 die Pariser „Salome“-Premiere miterlebte, dirigierte Strauss die österreichische Erstaufführung des „Prélude à l´après-midi d´un faune“.
Diesem Komponistengespann hat nun das auch unermüdlich nach Repertoire-Trouvaillen forschende Klavierduo Yaara Tal & Andreas Groethuysen ein Album gewidmet. „Colors“ heißt es und stellt Klavier-Transkriptionen vom „Schleiertanz“ und dem „Faun“ über Debussys „La mer“ bis hin zu Strauss´ „Till Eulenspiegel“ sowie der „Walzerfolge aus dem Rosenkavalier“ gegenüber. Die Bearbeitungen für vier Klavierhände stammen von Debussy, aber auch von seinem Schüler André Caplet sowie von Victor Babin, Johannes Doebber und Otto Singer, der zu Strauss’ bevorzugten „Transkriptoren“ zählte. Ihnen allen gelang es vorbildlich, nahezu die gesamte, wogend changierende Klangfarbenpalette, über die ansonsten nur ein riesiger Orchesterapparat gebietet, auf die schwarzen und weißen Klaviertasten zu übertragen. Mit so manchen Überraschungen, wie Tal & Groethuysen mit reichlich Schwung, Hingabe, Charme und dem nötigen Schuss Klangparfüm jetzt unterstreichen. Denn auf einmal könnte der „Schleiertanz“ genauso ein klassisches französisches Chanson ohne Worte sein. Mozart und auch das Wiener Original Friedrich Gulda scheinen sich hingegen bei den „Rosenkavalier“-Walzern die Ehre zu geben. Und bei dem „Dialog zwischen dem Wind und dem Meer“ aus Debussys „La mer“ kündigt sich aus den Tiefen des Klaviers ein spektakuläres Wetterleuchten an, dem man nur staunend zuhören kann.

Guido Fischer, 19.08.2017



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