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Samuel Capricornus

Lieder von dem Leyden und Tode Jesu

La Chapelle Rhénane, Benoît Haller

(73 Min., 12/2006)

Diese bereits im Jahre 2006 produzierte CD porträtiert den böhmischen Komponisten Samuel Capricornus (1628-1665), der in Straßburg, Wien, Bratislava und zuletzt in Stuttgart nachweisbar ist und zu den Meistern des Frühbarock gehört, wie anhand der beiden hier repräsentierten Sammlungen deutlich wird: Die „Lieder von dem Leyden und Tode Jesu“ für zwei Sopranstimmen, vier Gamben und Continuo sind Vertonungen von sechs Lieddichtungen Paul Gerhardts. Das „Teatrum musicum“, hier in Auszügen wiedergegeben, basiert auf lateinischsprachiger geistlicher Poesie, die für Haute-contre, Tenor und Bass, ebenfalls von vier Gamben und Continuo begleitet, gesetzt ist.
Bemerkenswert ist Capricornus‘ Kunst, die innere Bewegung bzw. das dramatische Potential der Texte auf unterschiedlichste Weise musikalisch zu versinnbildlichen: „O felix jucunditas“ etwa erhält fast tanzartige Züge, „Was schadet mir des Todes Gift?“ ist geprägt von rhetorisch-musikalisch eng am Sprachduktus umgesetzter siegesgewisser Freude über die Erlösungstat Christi.
Unter den fünf Sängerinnen und Sängern sticht vor allem die erste Sopranistin Tanya Aspelmeier durch ihre glockenhelle, obertonreiche und sehr bewegliche Stimme hervor. Aber auch die Männerstimmen – in der mittigen Tenorlage Ensembleleiter Benoît Haller selbst – mischen sich zu einem ebenso wohltönenden wie expressiven Gesamtklang. Alle Vokalkräfte werden hervorragend begleitet durch ein kompetentes Spezialisten-Consort, dessen Continuo-Ebene neben der Truhenorgel auch Harfe und Theorbe enthält. Eine sehr gelungene Darbietung kaum bekannter Musik also, die in den mehr als zehn Jahren seit ihrer Produktion nicht im Geringsten an Aktualität verloren hat.

Michael Wersin, 26.08.2017



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