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Cross-Platform Interchange

Misha Mullov-Abbado

Edition/Membran EDN1091
(57 Min., 10/2016)

Kein weiteres Wort mehr darüber, dass Misha Mullov-Abbado der Sohn der Geigerin Viktoria Mullova und des Dirigenten Claudio Abbado ist! Denn sein zweites Album unter eigenem Namen zeigt noch mehr als der mit großem Respekt aufgenommene Vorgänger, dass dieser in Großbritannien beheimatete Bassist und Komponist in Wirklichkeit das Kind aller möglichen musikalischen Welten ist.
„Cross-Platform Interchange“ ist eine muntere Fahrt durch das U-Bahn-Netz einer Metropole wie London, in der sich Mentalitäten, Stilistiken, Altes und Neues miteinander verbinden.
Am Anfang der Aufnahme steht Mullov-Abbado jedoch allein im Abteil und bearbeitet seinen Kontrabass mit einiger Fingerfertigkeit und einer bluesigen Erdverbundenheit unter den Kuppen. Der sich dazugesellende Percussionst Elad Neeman ist dann das Bindeglied zum zweiten Stück „No Strictly Dancing“, das die interkulturellen Umsteigemöglichkeiten von Mullov-Abbados Musik in nuce präsentiert. Eine schwermütige, irgendwo zwischen Nahem Osten und Skandinavien schwebende Trompete (gespielt von James Davison) wird von fernöstlich-indisch anmutenden Conga-Schlägen nach Südamerika getrieben, wo der Pianist Liam Dunachie mit einem energischen Solo die Weichen Richtung Jazzmoderne stellt.
So geht es immer weiter: Da steht die Band beim Halt im Bossa-Nova-Brasilien andächtig auf, um Platz für Stan Getz und AC Jobim zu machen („Waves“), lässt in der Metrostation Hardbop den funky Westcoast-Pop der 1970er als blinden Passagier mitfahren („Cross-Platform Interchange“), oder schlüpft gar in die Rolle von U-Bahn-Musikern, die zur Belustigung der Passagiere schellackkratzigen Swingjazz imitieren („Gromit's Grand Outing“).
Auch wenn man den Stilmix auf „Cross-Platform Interchange“ manchmal als etwas zu beliebig empfinden mag – dafür hat Misha Mullov-Abbado jedoch einen Fahrberechtigungsausweis, den nicht jeder vorweisen kann: einen verschmitzten Humor.

Josef Engels, 02.09.2017



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