Nicolai Gedda sang gern das „Lied des jungen Zigeuners“ aus Rachmaninows einaktiger Oper „Aleko“ als effektvolle Zugabe am Ende seiner Rezitals – mehrere Versionen davon wurden auch dokumentiert und finden sich auf verschiedenen Mitschnitten. Auf der vorliegenden CD nun hören wir das Lied von einem anderen Sänger – dem stimmlich etwas lyrischeren und leichtgewichtigeren, aber doch sehr ansprechend timbrierten Alexander Fedin –, und wir erleben es eingebunden in die Opernhandlung: Der namenlose junge Zigeuner ist ein Draufgänger, mit dem die hübsche Zigeunerin Zemfira fremdgeht. Sie betrügt somit ihren Mann Aleko, und die Geschichte endet mit einem doppelten Rachemord, weil Zemfira ihrem jungen Geliebten nicht abschwören mag. Aleko wird daraufhin von den anderen Zigeunern aus der Gemeinschaft ausgeschlossen.
Die dramatische Story, die 1893 im Bolschoi-Theater auf die Bühne gebracht wurde, beruht auf einem Gedicht von Puschkin. Rachmaninow komponierte die Oper schon im Frühjahr 1892 als 18-jähriger Student von Anton Arenski am Moskauer Konservatorium. Entsprechend wenig verrät die Musik noch von seinem späteren ausgereiften Stil (was dem Stück oft angekreidet wird), aber es handelt sich doch um eine beachtliche Leistung aus einem Guss, die das Ausnahme-Talent ganz unmissverständlich erkennen lässt. Bekannt vorkommen wird Rachmaninow-Kennern außer dem „Lied des jungen Zigeuners“ auch noch der „Women`s Dance“, den man oft in Orchester-Rezitals hört.
In der Titelpartie glänzt in dieser Einspielung, die bereits 1987 entstanden ist, der Bassist Evgeni Nesterenko – wie immer beeindruckend durch sein Standvermögen und seine stimmliche Kraft. In der Rolle der Zemfira hätten wir gern eine etwas weniger vibratoreiche Stimme als diejenige von Svetlana Volkova gehört; einer der wenigen Wünsche, die diese ansonsten sehr hörenswerte Aufnahme unerfüllt lässt.

Michael Wersin, 09.09.2017



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