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Kind Of Spain

Wolfgang Haffner

ACT/Edel 1098482ACT
(49 Min., 1/2017)

Nach „Kind Of Cool“ nun also „Kind Of Spain“. Wer anhand der Plattentitel denkt, dass sich der Schlagzeuger Wolfgang Haffner gerade munter durch das Œuvre von Miles Davis trommelt, dem sei gesagt: Nein, Haffners aktuelle Veröffentlichung ist keineswegs ein Remake von „Sketches Of Spain“.
Zwar befindet sich mit dem „Concierto de Aranjuez“ ein Schlüsselstück der Davis/Gil Evans-Kollaboration auf der CD, aber die ist in ihrer unorchestralen Bescheidenheit und dem feinsinnigen Flamenco-Gitarren-Spiel Daniel Stelters mindestens genauso weit weg von dem in der Vitrine der Musikgeschichte verstaubenden Original wie die Umarbeitung des anderen Jazzklassikers auf Haffners Einspielung, Chick Coreas „Spain“.
Beim Letzteren offenbart sich der spezielle Ansatz des Drummers besonders gut: Anstatt wie der mit dem Stück unweigerlich verbundene Steve Gadd ein perkussives Feuerwerk abzubrennen, friert Haffner die Nummer auf Zeitlupentempo ein, und Sebastian Studnitzkys hauchzarte Trompete leidet still wie ein Pilger in der heißen Mittagssonne Andalusiens.
Es ist nicht die einzige Überraschung der Aufnahme. Spanier sucht man vergebens, dafür nehmen sich zwei Skandinavier (Jan Lundgren am Klavier, Lars Danielsson am Bass) und vier Deutsche iberischen Liedguts an (u.a. einem Volkslied aus dem 16. Jahrhundert, zwei Kompositionen des 1909 verstorbenen Francisco Tarrega sowie einem Stück des zeitgenössischen Flamenco-Gitarristen Vicente Amigo).
Und so wird „Kind Of Spain“ von einer vornehmen nordeuropäischen Zurückhaltung dominiert, die sich in Studnitzkys schwermütigen Trompetenlinien, Lundgrens pastellfarbenen Pianotupfern und Christopher Dells kristallinen Vibrafonflächen materialisiert.
Der vornehmste unter den Spanien-Seelensuchern der Einspielung ist freilich der Bandleader, der viel mit den Besen arbeitet und gelegentlich einen Bolero-Rhythmus oder den Sound von Kastagnetten anklingen lässt. Als konzentrierter und lässiger Reiseleiter führt er seine Mitmusiker durch ein Album, das entspannt wie ein Tag am Strand ist – dem aber noch mehr hypnotische Gruppen-Jams wie „For Vince & Arif“ und „El Chaos“ als Kontrastprogramm zum niveauvollen Chillen gut getan hätten.

Josef Engels, 23.09.2017



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