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Europa

Matthias Schriefl, Shreefpunk plus Bigband

Resonando/exando music RN-10006
(64 Min., 12/2010)

Da heißt die Platte „Europa“ – und was denkt der Rezensent mit Abitur, wenn er zu Beginn Kühe muhen hört? Na? Eben: Der Götterfürst Zeus vernaschte die schöne Europa, nachdem er sich zur Tarnung in einen Stier verwandelt hatte. Doch das Booklet belehrt: falsch. Es handelt sich um die Erinnerung an ein Kalb, das als Wiener Schnitzel endete. Matthias Schriefl, auf dieser Disc mit Trompete, Flügelhorn, Horn, Tuba, Sousafon und auch als Sänger zu hören, liebt auch mit den Tönen das virtuose Verwirrspiel. Für das Projekt „Europa“ erweiterte er sein Quartett „Shreefpunk“ zur Bigband, und mit der spielte er schon 2010 (!) an zwei Tagen acht von Überraschungen strotzende Nummern ein. So symbolisieren im Stück „Auf Wiener Schnitzel“ Pauken und Schlagzeug, wie das Fleisch breit geklopft wird, und bei „Robert in Birmingham“ rumort die Bigband in hartem Punk. „Frisch verwirrt“ ist der überhaupt nicht zutreffende Titel für ein vierzehnminütiges Ideen-Ping-Pong zwischen Balladenseligkeit und strahlender Bigband-Power, angereichert durch ständige Wechsel von Klangfarben und Besetzung. Ähnlich lustvoll begegnen sich im „König von Köln“ bayrische Blasmusik, Dada-Lyrics und Karneval, und in „Hei Griaß Di Gott Ländle“ verwandelt die Großformation ein Allgäuer Volkslied zunächst in eine Fuge, bevor sie es durch Funk, Swing, New Orleans, den verschlungenen Europäischen Jazz und allerlei mehr schickt. Mit Elementen des Afro-Pop spielt hingegen das heitere „Abidjan“, und „Pour Robert Zongo“ ist ein Trauerlied für einen Journalisten aus Burkina Faso, bei dem abgedämpfte Schlagzeuge eine düstere Atmosphäre erzeugen, der melancholische Melodien gegenüberstehen. Warum die Aufnahmen sieben Jahre bis zur Veröffentlichung brauchten, ist ein Rätsel. Dieses wohl strukturierte Ideengewusel zu hören, ist ein Genuss.

Werner Stiefele, 04.11.2017



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