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Johann Sebastian Bach, Antonio Vivaldi, Benedetto Marcello

BACH – anders. (Barocker Glanz aus Sachsens Residenz)

Die Dresdner Bach-Solisten, Joachim K. Schäfer

Christophorus/Note 1 CHR77415
(58 Min., 9 & 11/2016)

Eine eigenwillige CD: Der Trompeter Joachim K. Schäfer musiziert gemeinsam mit einer Violine, einem Cello und Orgel vier Bearbeitungen italienischer Concerti von Vivaldi und Marcello, die Johann Sebastian Bach einst schon für Orgel oder für Cembalo bearbeitet hatte. Ausgangspunkt für die auf dieser CD vorgestellten Versionen sind dabei wohl die Bearbeitungen Bachs, wie sich etwa am Concerto a-Moll BWV 593 (Original von Vivaldi) ganz gut nachvollziehen lässt: Die Stimmen der Bachschen Orgelfassung des ehemaligen Violinkonzerts werden von Schäfer und seinen Mitmusizierenden geschickt wieder auf Einzelinstrumente verteilt.
Als Ergebnis dieses Bearbeitungsprozesses erklingt die Vivaldi-Bach-Substanz nun in einer einerseits kammermusikalisch angelegten (weil nur mit vier Musikern besetzten), andererseits durch die Trompete und durch die Klangräumlichkeit der Aufnahme dennoch irgendwie größer besetzt anmutenden Fassung. Diese Ambivalenz mag auch dadurch zustande kommen, dass die Trompete als solche im Barock kein Kammermusik-Instrument für ganz kleine Besetzungen gewesen ist; freilich wäre der Trompetenpart, der Schäfer in diesen Bearbeitungen zufällt, auf einer Barocktrompete auch gar nicht spielbar. Schäfer verwendet ein modernes Instrument, offenbar eine sogenannte „Bach-Trompete“, wie man sie Anfang des 20. Jahrhunderts zur Ausführung der barocken Trompetenpartien erfunden hat, als man das Clarinblasen noch nicht wieder beherrschte. Entsprechend modern, also nicht-historisierend, musiziert Schäfers Ensemble: Violine und Cello artikulieren nicht kurz und knackig, sondern deutlich breiter, weicher und Legato-affiner, als es das historisierend geschulte Ohr gewohnt ist, und verwenden zudem durchgehend Vibrato. Auf diese Weise entsteht ein Klangbild aus der „Festliches Barock“-Ecke, das sich aufgrund der beschriebenen Brüche zwischen Alt und Neu weniger direkt aus den Vorbildern der Bearbeitung und der barocken Transkriptionspraxis ergibt, als der Beihefttext es gern weismachen würde. Freilich kann man die Musik in dieser Interpretation auch einfach als das genießen, was sie ist – aber der mündige Hörer würde sich klarere Auskünfte über die Art der Bearbeitung wünschen, um besser verstehen zu können, was er hier vor Ohren hat.

Michael Wersin, 23.12.2017



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