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Unloved

Maciej Obara Quartet

ECM/Universal 5764562
(49 Min., 1/2017)

Der polnische Jazz begeht im kommenden Jahr ein trauriges Jubiläum. Eine seiner einflussreichsten Figuren, der Pianist und Komponist Krzysztof Komeda, verstarb 1969 im Alter von gerade mal 37 Jahren. 50 Jahre danach ist er immer noch in den Herzen und auf den Notenblättern seiner improvisierenden Landsleute. Wohl nicht ohne Grund hat das Quartett um den 36-jährigen polnischen Altsaxofonisten Maciej Obara seine erste Studioeinspielung nach einer Komeda-Komposition benannt.
Und wenn Obara, der Pianist Dominik Wania (die beiden lernten sich in der Band von einem anderen wegweisenden Polen, dem Trompeter Tomasz Stanko, kennen), Bassist Ole Morten Vågan und der Schlagzeuger Gard Nilsson das in der Albummitte platzierte „Unloved“ anstimmen, hat der Zuhörer schon einige Totenklagen hinter sich. Etwa das leidend schleichende „Ula“ mit seinen dumpfen Trommelwirbeln. Oder das pointilistisch-zerfließende „Joli Bord“. Aber nach der dunklen und konzentrierten Verbeugung vor Komeda wirkt es so, als sei etwas von dem polnisch-norwegischen Quartett abgefallen.
Denn in der zweiten Plattenhälfte zeigen Obara und seine Mitstreiter ein deutlich anderes Gesicht. Die Stücke werden pulsierender und freier und geben dem Bandleader die Gelegenheit, sich als feuriger Saxofonist zu zeigen. Etwa in dem mit spiralartig sich windenden Tonkaskaden beginnenden „Sleepwalker“, das sich nach und nach in ekstatische Ritualmusik verwandelt, die in ihrer Dichte an Keith Jarretts europäisches Quartett mit Jan Garbarek, Palle Danielsson und Jon Christensen erinnert. Diese explosive Spannung bewahren sich Obara, Wania, Vågan und Nilsson als neue Powereinheit des polnisch-nordischen Jazz bis zum Schluss. Von wegen „unloved“. Man muss sie dafür lieben.

Josef Engels, 13.01.2018



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