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Mood Indigo: The Complete Bethlehem Recordings

Nina Simone

(46 Min., 12/1958)

Weniger ist mehr. Nina Simone braucht keine Trompeter, Posaunisten oder Saxofonisten neben sich; der Kontrabassist Jimmy Bond und der Schlagzeuger Albert „Tootie“ Heath genügen als Begleiter vollauf, denn sie agieren eher als Assistenten denn als Motoren oder Antreiber. Nina Simone, im Dezember 1958 fünfundzwanzig Jahre alt, hatte ihre Träume auf eine Karriere als klassische Konzertpianistin trotz einiger Semester an der Juilliard School of Music gerade erst begraben müssen, als die Aufnahmen entstanden – in den durch und durch von Rassismus geprägten USA war dieses Segment des Musikmarkts schwarzen Musikerinnen und Musikern verschlossen. Wollte sie von der Musik leben, dann verlangte der Markt Auftritte in Bars, Jazzklubs und gelegentlich auch Konzerthallen mit Jazz, Blues und Gospel. In dieser Umgebung hatte sie sich schon einige Monate bewegt und war als Sängerin gereift, und hier wuchs ihr einzigartiger Ausdruck. An einem einzigen Tag im Dezember 1958 spielte das Trio im New Yorker Beltone Studio für das kleine Label Bethlehem vierzehn Titel ein, die zu den ergreifendsten Aufnahmen der Jazzgeschichte zählen. Wenn Nina Simone „Porgy (I Loves You)“, „Little Girl Blues“, „Don’t Smoke In Bed“, „He’s Got The Whole World In His Hands“ oder „My Baby Just Cares For Me“ interpretiert, vibriert in ihrer Stimme der Gospel der Black Church, und in ihrem Klavierspiel paaren sich eine profunde klassische Ausbildung und tiefes Jazz-, Gospel- und Bluesfeeling. Dabei ergänzt sie mit dem Instrument die jeweils von der Stimme vorgegebene Atmosphäre, setzt Akzente und lässt ihr auch unbegleiteten Raum. „My Baby Just Cares For Me“, „Mood Indigo“, „Good Bait“ und „He Needs Me“ kehren eher ihre populärere, swingende Seite hervor, „African Mail“ bringt afro-kubanische Rhythmen ins Spiel, und „Love Me Or Leave Me“ wirkt trotz der dezenten Begleitung durch einen gestrichenen Kontrabass wie eine aus dem Moment entstandene Soloimprovisation. Die vierzehn Titel wirken so rein, pur und konzentriert wie nur wenige Gesangsalben in der Jazzgeschichte. Wunderbar, dass sie neu aufgelegt wurden.

Werner Stiefele, 10.02.2018



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